Inspiration

Die Großen sind laaaangweilig

Foto: Robert Schittko Carlos Praestorius, Robert Lang, Thomas Zimmer, Florian Manian,Hubert Schlemmer

Peter Pan Premiere im Staatstheater

Was kann es für ein Familienstück in der VorweihnachtsszeitSchöneres geben, als zumeist junges Publikum rotwangig, fasziniert und die Melodie von „Nimmerland“ singend nach kurzweiligen neunzig Minuten das Kleine Haus des Staatstheaters verlässt?

Sie haben ja auch eine aufregende Reise hinter sich. Sie beginnt im Kinderzimmer von Wendy (Anabel Möbius), John (Carlos Prätorius) und Michael (Florian Mania), die zu Bett gehen sollen, damit ihre Mama und Papa Darling (Gabriele Drechsel und Hubert Schlemmer) ausgehen können. Als sie endlich schlafen, kommt Peter Pan (Robert Lang) mit seiner Fee Tinkerbell durch das Fenster, denn er hat bei seinem letzten Besuch in der Traumwelt der Kinder, seinen Schatten dort vergessen. Dass die Fee als Lichtkegel auf dem Bühnenbild dargestellt wird, stört das Publikum nicht. Peter lernt Wendy kennen. Er will sie mit nach Nimmerland nehmen – dorthin kann man ganz einfach kommen: Ein wenig Feenstaub und ein guter Gedanke, und schon kann man fliegen – eine schöne Vorstellung. Nimmerland ist das Land, in dem es Elfen, Meerjungfrauen, Indianer und Piraten gibt. Und hier leben die Kinder, die keine Eltern mehr haben, doch das Wichtigste: Hier werden sie niemals erwachsen und haben immer Spaß. Denn die Großen sind laaaangweilig. Hier wohnen auch die Jungs (Carlos Prätorius, Florian Mania und Thomas Zimmer), wie Peter sie nennt, eine Gang von drei wilden Kerlen, ausgestattet mit einem lichtspielenden Hook-O-Meter, Pfeil und Bogen und einem Kriegsbeil.

Das junge Publikum hat viel Vergnügen daran, wenn Peter Pan und Wendy mit einem fliegenden  Fahrrad nach Nimmerland reisen und das erste Mal auf die Jungs treffen.

Doch der grimmig-grässliche Captain Hook (Hubert Schlemmer) mit seinem langsamen Adjutanten Smee (Stefan Schuster), die liebevoll und kindgerecht furchteinflößend inszeniert sind, wollen Rache an Peter Pan üben, weil er Hooks Hand an ein Krokodil verfüttert hat, das hier und da wie aus dem Phantasiefilm Jurassic Park entlaufen, seinen riesigen Kopf auf die Bühne streckt und letztlich Captain Hook mit einem gut hörbaren Rülpser verschlingt.

Peter Pan erzählt von der Sehnsucht, wieder nach Hause zu wollen – „hoffentlich lässt Mama das Fenster auf“ oder von Kinderträumen wie einem See aus Mousse aux Chocolate und nimmt die Kinder im Theaterparkett mit viel Gefühl mit.  Und wenn Peter Pan fragt, ob sie alle an Feen glauben, dann rufen sie begeistertet und aus vollem Herzen ein lautes „Jaaaa“.

Viele Abenteuer in einem phantasievollen Bühnenbild, mit dicken Nebelschwaden, riesigen Pilzen, einem Piratenschiff und Marterpfahl erleben die Jungs, Wendy und Peter Pan mit Captain Hook, Smee und der Indianerin Tigerlilly (Gabriele Drechsel). Die Kinder im Publikum sind gebannt, leben die Geschichte mit und flüstern leise „Ich möchte, dass Peter Pan gewinnt.“

Am Ende wird alles gut, Wendy ist wieder zu Hause, die Jungs werden von der Familie Darling adoptiert, nur Peter Pan möchte nicht in der Welt der Erwachsenen bleiben. Was er aber hinterlassen hat, ist, den jungen Theateranfängern eine Ahnung davon zu geben, was Theater schaffen kann. Und so verlassen sie rotwangig, fasziniert und die Melodie von „Nimmerland“ auf den Lippen das Haus, in dem Träume gelebt werden.

Sandra Russo

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