Inspiration

Der Mann, der David Alaba vernaschte

Foto: Ulrich/Hübner

Eine Verbeugung vor Marcel Heller – Einer der prägenden Spieler der letzten Jahre

Der Flügelflitzer machte mit dem 17 Jahre alten Youngster, was er wollte. Am Ende besiegte Eintracht Frankfurt den FC Bayern München 2:1. Gut zehn Jahre ist das her. Der völlig überforderte Youngster war David Alaba, später einer der besten Außenverteidiger der Welt. Der Mann, der ihn schwindelig spielte, war Marcel Heller.

Die Karriere Hellers hatte verheißungsvoll begonnen, bekam aber später mehrere Dellen, bis er bei den Lilien noch einmal durchstartete. Im Alter von 19 Jahren holte ihn Eintracht Frankfurt von Drittligist Sportfreunde Siegen. Ein Spieler für die Zukunft, der behutsam aufgebaut werden sollte, erklärte der damalige Eintracht-Chef Heribert Bruchhagen. Gleich im ersten Spiel wurde Heller eingewechselt. Wenige Wochen später debütierte er in der U21-Nationalmannschaft.
Doch trotz guter Ansätze konnte er sich nicht in Frankfurt durchsetzen. In vier Jahren kam er gerade auf 34 Bundesliga-Einsätze und zwei Treffer. Auch eine Ausleihe nach Duisburg brachte ihn sportlich nicht weiter. Zur Saison 2011/12 wechselte er zu Dynamo Dresden in die Zweite Liga, wo er sich ebenfalls nicht durchsetzen konnte.

„Heller ist schneller“

Schließlich ging es noch eine Liga tiefer. Heller heuerte bei Alemannia Aachen an. Doch auch dort lief es nicht. Der Verein musste Insolvenz anmelden. Als er im Sommer 2013 im Alter von 27 Jahren nach Darmstadt wechselte, galt Heller als gescheitertes Talent. Doch der damalige Lilien-Coach Dirk Schuster erkannte sein Potenzial.
Für Schusters Defensivtaktik mit langen Bällen und überfallartigen Kontern war Heller mit seiner enormen Geschwindigkeit genau der richtige Mann. Die Darmstädter Punk-Band Decubitus widmete ihm später sogar einen Song: „Heller ist schneller“. Zitat: „Es ist kein Flugzeug und auch kein ICE – es der blaue Blitz vom Bölle“.

Zuletzt nicht mehr gesetzt

Heller stieg mit den Lilien zwei Mal auf, war in beiden Bundesliga-Spielzeiten Stammspieler. Nach dem Abstieg spielte er ein Jahr für den FC Augsburg. Dann lotste ihn Schuster, inzwischen wieder bei den Lilien, zurück ans Böllenfalltor.

Unter Schuster und in der Anfangszeit unter Dimitrios Grammozis war Heller Stammspieler. In der abgelaufenen Saison verlor er jedoch seinen Stammplatz. Insofern war es nicht überraschend, dass der 34-Jährige mit dem vermutlich teuersten Vertrag den Verein nun verlässt.
Der große Abschied vor den Fans blieb Heller zumindest zunächst versagt. Und doch setzte er zum Abschluss noch mal ein Ausrufezeichen. Im letzten Heimspiel gegen Wehen Wiesbaden erzielte er als Joker den 3:1-Endstand.

Der Letzte vom „Wunder von Bielefeld“

In Marcel Heller verlieren die Lilien eines ihrer prägenden Gesichter der vergangenen Jahre. Er war der letzte aktive Spieler in der Mannschaft, der beim „Wunder von Bielefeld“ mitgespielt hat. Er konnte Fans und Trainer zur Verzweiflung bringen, wenn seine Flanken mal wieder hinter dem Tor landeten, er den falschen Laufweg wählte, sich in endlosen Reklamationen verlor oder seine Mitspieler nicht sah, weil er mal wieder zu schnell gewesen war.

Aber Heller konnte mit seinen Soli und Läufen auch begeistern. Auch in fortgeschrittenem Alter war er noch einer der schnellsten Spieler der Liga. Und er war keiner, der sich versteckte. Auch wenn es nicht lief, stand er nach den Spielen geduldig Rede und Antwort. Wie es nun für ihn weitergeht, war zunächst noch offen. Ein neuer Verein stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest. Aber die USA würden ihn reizen, hatte Heller bereits im Winter erklärt. Stephan Köhnlein