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Der letzte Heiner verlässt die Lilien

Foto: Hübner/Ulrich
Gude!
Der Ball rollt wieder. Allerdings ohne Zuschauer im Stadion. Und damit fehlt dem Fußball genau das, was seinen größten Reiz ausmacht: Stimmung und Emotionen. Hoffentlich hat diese Notlösung bald ein Ende und die Fans dürfen wieder ins Stadion.
Wir richten den Blick nach vorn. Auch in der kommenden Saison werden Fabian Holland, Immanuel Höhn und Tobias Kempe für die Lilien auflaufen. Das sind gute Nachrichten. Allerdings gibt es auch einen Wermutstropfen: Yannick Stark, der einzige gebürtige Heiner im Stammkader, wird den Verein verlassen.
Stark stand schon im Kader, als die Lilien 2015 den Bundesliga-Aufstieg schafften. Fünf Jahre ist das her – und wir haben mal nachgesehen, was aus den Helden von damals geworden ist. Damals, als sich noch kein Mensch ausgemalt hat, dass mal eine Saison ohne Zuschauer zu Ende gespielt werden könnte.
Weitere Infos rund um die Lilien, tagesaktuell und journalistisch fundiert, gibt es im Internet bei lilienblog.de, dem Online-Magazin zum SV Darmstadt 98.

Yannick Stark erhält keinen neuen Vertrag

Als Yannick Stark Anfang März gefragt wurde, ob er – anders als sein Trainer Dimitrios Grammozis – auch einen Einjahresvertrag akzeptieren würde, musste er lachen: „Wird man sehen“, gab er grinsend zur Antwort. Zwei Monate später hatte er Klarheit: Der Verein plant ohne ihn, bietet ihm keinen Vertrag für die neue Saison an.

Bei vielen Fans löste die Entscheidung Unverständnis, Enttäuschung und teilweise auch Empörung aus. Stark, mittlerweile 29 Jahre alt, ist beliebt, der einzige gebürtige Darmstädter im Stammkader der Lilien und damit eine Identifikationsfigur. Er ist ein Kämpfer, der sich immer für die Mannschaft eingesetzt und auch nicht öffentlich aufbegehrt hat, wenn es mal schlecht für ihn lief. Auch nachdem sein Aus von Sportchef Carsten Wehlmann am Rande eines Fanabends bekannt gegeben wurde, hielt sich Stark mit öffentlichen Äußerungen zurück.

Eine Verbindung mit Höhen und Tiefen

Sportlich ist die Verbindung zwischen Stark und den Lilien eine Geschichte mit Höhen und Tiefen. In der Jugend spielte Stark nie für die 98er. Ausgebildet wurde er vor allem bei Eintracht Frankfurt. Erstmals im Trikot der Lilien lief er in der Saison 2010/11 auf – als Leihspieler vom MSV Duisburg. In dieser Spielzeit trug Stark maßgeblich zum sensationellen Aufstieg in die 3. Liga bei. Beim vorentscheidenden 2:1 gegen Wormatia Worms am vorletzten Spieltag erzielte Stark den Siegtreffer. Danach zog er weiter, spielte in der 2. Liga zunächst für den FSV Frankfurt und später für 1860 München.

Im Winter 2015 holten die Lilien Stark zurück. Vom „verlorenen Sohn“ war da die Rede. Doch nach drei eher mäßigen Einsätzen war es für den Mittelfeldmann erstmal vorbei. Bis heute schweigen sich alle Beteiligten aus, was damals vorgefallen war. Tatsache ist, dass Trainer Dirk Schuster fast eineinhalb Jahre lang auf Stark verzichtet.

Leihe, Abstieg, Comeback

Weil auch Schuster-Nachfolger Norbert Meier keinen Wert auf Stark legte, ließ dieser sich an den FSV Frankfurt ausleihen, der inzwischen Drittligist war. Es wurde eine durch und durch unerfreuliche Saison für Stark: Den Abstieg in die 4. Liga konnte er nicht verhindern, zudem musste der Verein Insolvenz anmelden.

Als er zur Saison 2017/18 ans Böllenfalltor zurückkehrte, hatte ihn keiner mehr so richtig auf dem Plan. Doch Stark ackerte in der Sommerpause mit einem Personal-Trainer, war beim Trainingsauftakt topfit und kämpfte sich unter Torsten Frings zurück ins Team.

Auch als Schuster Ende 2017 zurückkehrte, blieb Stark im Stammkader. Im Sommer 2018 wurde sein Vertrag um zwei Jahre verlängert. In den letzten Monaten unter Schuster hatte Stark dann jedoch wieder einen schweren Stand, saß häufig auf der Bank.

Als Grammozis im Februar 2019 den Trainerjob bei den Lilien übernahm, wurde der Mittelfeldmann einer der Gewinner der ersten Wochen. Unter anderem sorgte er als Einwechselspieler entscheidend dafür, dass die 98er beim Hamburger SV einen 0:2-Rückstand noch in ein sensationelles 3:2 drehten. Bis auf eine Gelb-Pause bestritt er bis zum Ende der Spielzeit jede Partie.

Sechs Konkurrenten und ein Härtefall

Doch in der laufenden Saison wurde es schwierig für Stark. Vor der Abwehr ist Victor Pálsson gesetzt, neben Stark konkurrieren Seung-ho Paik und Fabian Schnellhardt, aber je nach Ausrichtung auch Tobias Kempe oder Marvin Mehlem um die Plätze im zentralen Mittelfeld. Zwar gehörte Stark regelmäßig zum Kader, aber gesetzt war er nicht mehr.

Zur neuen Saison wollte der SV Darmstadt 98 seinen Kader von 31 Spielern ohnehin verkleinern. Angesichts der Corona-Krise sind die Sparzwänge größer geworden. Starks Vertrag läuft aus, seine Konkurrenten sind noch gebunden. Aus Vereinskreisen ist zu hören, dass das entscheidend dafür war, wieso sich die Wege nun trennen.

„Das ist einer von diesen Härtefällen“, sagte Lilien-Sportchef Wehlmann offiziell über die Trennung. „Und eine der Entscheidungen, die am schwersten abzuwägen war.“ Stark habe sich als Spieler sehr verdient gemacht. „Sicher sind das keine schönen Nachrichten. Aber wir haben uns in die Augen geguckt, und er hat gesagt, dass er bis zum letzten Spieltag alles für Darmstadt 98 geben wird.“

Yannick Stark wurde am 28. Oktober 1990 in Darmstadt geboren. In der Jugend war er für die SG Arheilgen und den SC Hassia Dieburg am Ball, ehe er in die Jugendabteilung von Eintracht Frankfurt ging. Dort spielte er in der U19-Bundesliga, hatte aber bereits in der Saison 2008/09 seine ersten Einsätze für die U23-Nachwuchsmannschaft in der Regionalliga. In der folgenden Saison, ebenfalls noch für die Jugend spielberechtigt, war er Stammspieler der U23.
Stark wurde vom Zweitligisten MSV Duisburg für zwei Jahre verpflichtet, aber sofort an Darmstadt verliehen. Mit den Lilien holte er nach einer Aufholjagd in der Rückrunde der Spielzeit 2010/11 die Meisterschaft in der Regionalliga Süd und stieg in die 3. Liga auf.
Anschließend wurde er vom damaligen Zweitligisten FSV Frankfurt verpflichtet. Zur Saison 2013/14 wechselte er zum TSV 1860 München. In der Winterpause der Saison 2014/15 kehrte er zum SV Darmstadt 98 zurück.
Mit den Lilien stieg er in die Bundesliga auf und gehörte zu jener Mannschaft, die ein Jahr später den Klassenerhalt schaffte – auch wenn er dabei ohne Bundesliga-Einsatz blieb. Insgesamt fünfeinhalb Jahre am Stück stand Stark, die Ausleihe 2016/17 an den FSV Frankfurt eingerechnet, zuletzt in Darmstadt unter Vertrag.