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„Das ist sensationell“

U-21 Europameister Felix Platte (22) gehört zu den Zukunftshoffnungen im Kader des SV Darmstadt 98. In seiner eineinhalbjährigen Zeit als Leihspieler reifte der Angreifer trotz geringer Einsatzzeit aufgrund von Verletzungen schnell zum Publikumsliebling. Auch in der aktuellen Saison blieb Platte nicht verletzungsfrei, war aber in gesundem Zustand einer der wenigen Lichtblicke der Lilien. Im Interview erzählt er, was er gerne mit seinen Freunden unternimmt, wieso er durch die vielen Verletzungspausen ein anderer Mensch geworden ist, und, was er von Sandro Wagner lernen konnte.

PK: Du hast dich nach eineinhalb Jahren Leihe im Sommer fest von Darmstadt verpflichten lassen. Was gefällt dir denn hier so gut, dass du unbedingt wieder kommen wolltest?

FP: Der ganze Verein. Die Mannschaft, die Fans, das Umfeld, mein Wohnort, die Stadt. Also eigentlich alles. Meine Familie und meine Freunde kommen mich oft besuchen und fühlen sich hier auch super wohl. Da war das eigentlich eine leichte Entscheidung, wieder her zu kommen.

PK: Du hast die Sommervorbereitung unter Domenico Tedesco bei Schalke absolviert. Was war dann der Grund, dass es dort nicht gepasst hat und du etwas anderes machen wolltest?

FP: Der Trainer hat mit mir ganz offen gesprochen und mir mitgeteilt, dass ich erstmal keine Einsatzchancen habe und er mir empfehlen würde, den Verein entweder nochmal per Leihe oder komplett zu verlassen. Und dann habe ich mich entschieden, Schalke komplett zu verlassen und deswegen bin ich jetzt wieder hier.

PK: Du fährst in deiner Freizeit gerne Motorrad. Machst du das auch mal hier in der Gegend oder nur, wenn du in der Heimat bist?

FP: Das kommt darauf an, wo mein Motorrad gerade steht. Jetzt zum Beispiel steht es gerade wieder in der Heimat, manchmal ist es auch hier. Und dann drehe ich immer mal gerne eine Runde, wenn das Wetter gut ist.

PK: Hast du sonst noch Hobbies außerhalb vom Fußball?

FP: Ich bin generell für viele Sachen offen. Zusammen mit meinen Freunden spiele ich mal Billard, Dart oder Playstation. Also so die normalen Sachen die man macht, wenn man mit seinen Freunden unterwegs ist.

PK: Du warst mehrere Jahre deiner Jugend in der sogenannten „Knappenschmiede“ auf Schalke, die in den letzten Jahren viele Talente hervorgebracht hat. Was macht die Ausbildung bei Schalke so besonders?

FP: Schalke setzt insgesamt viel auf die Jugendarbeit. Es wird viel in die fußballerische und schulische Ausbildung investiert und auch ein großes Augenmerk auf eine familiäre Atmosphäre gelegt, sodass man sich dort wirklich sehr wohl fühlt. Besonders in der U19 haben sie mit Norbert Elgert den vielleicht besten Trainer, den man sich als Jugendspieler vorstellen kann. Er führt die jungen Spieler sehr gut ans Profigeschäft heran.

PK: Du hast in der A-Jugend auch mit Leroy Sane zusammengespielt, der erst kürzlich zum besten Nachwuchsspieler in der Premier League gewählt wurde. Denkst du manchmal, dass du nicht vielleicht einen ähnlichen Weg hättest einschlagen können und bist vielleicht sogar etwas neidisch auf seine Entwicklung?

FP: Klar wünscht man sich, dass man auf dieser großen Bühne auch mal regelmäßig spielen darf. Aber ich gönne es Leroy von Herzen. Er hat sehr viel dafür gearbeitet und hat es sich verdient. Ich freue mich einfach für ihn.

PK: Im Sommer warst du bei der U-21 EM dabei, wo du zunächst nicht gespielt hast, dann aber im Halbfinale plötzlich ein entscheidendes Tor erzielen konntest. War das bisher der schönste Moment deiner Karriere? Und hast du dadurch Lust bekommen, noch etwas öfter nominiert zu werden?

FP: Ich hatte schon viele schöne Momente im Fußball, zum Beispiel der Klassenerhalt mit Darmstadt in der Bundesliga. Mit der U-21-EM ist natürlich dann noch ein weiteres Highlight dazugekommen. Ich bin motiviert, dass ich da weiter im Kader bin und vielleicht nochmal eine EM spielen darf. Ich gebe auf jeden Fall weiterhin Gas und hoffe, dass ich dann wieder nominiert werde.

PK: Du hast in deiner jungen Karriere schon sehr viele Verletzungsprobleme gehabt. Vor allem die Hüftverletzung war sicher nichts Alltägliches. Wie hast du es geschafft, dich trotzdem immer wieder zu motivieren? Oder hattest du auch mal Probleme?

FP: Es war schon eine harte Zeit für mich, klar. Aber am wichtigsten war für mich, dass meine Familie, meine Freundin und meine Freunde immer hinter mir standen. Die haben mich immer wieder motiviert und so kam ich dann sehr schnell selbst wieder so in Schwung, dass ich mich selbst motivieren konnte. Und ich glaube, die Verletzungen haben mir im Nachhinein sicher auch ein Stück weit geholfen, der zu sein, der ich heute bin.

PK: Also kann man aus solchen Phasen auch etwas Positives mitnehmen?

FP: Auf jeden Fall. Zum Beispiel, dass man nach einem kleinen Wehwechen vielleicht nicht sofort aufgibt. Es gibt so viele Menschen, die viel schlimmere Dinge haben und nicht mehr den Weg zurück finden können. Von daher bin ich der Meinung, dass man immer irgendwie weitermachen und nicht aufgeben sollte.

PK: Hat man während so einer Verletzungszeit trotzdem noch viel Kontakt zur Mannschaft oder ist man während so einer Reha wirklich komplett auf sich alleine gestellt?

FP: Das kommt darauf an, wie man das strukturiert. Ich war die erste Zeit bei mir in der Heimat, weil es mir wichtig war, dass ich meine Familie um mich herum habe. Dann kam ich nach einiger Zeit wieder nach Darmstadt, weil ich die Mannschaft dann schon ein bisschen vermisst habe. Also das kann jeder ein bisschen so gestalten, wie er es braucht. Je nachdem, ob man eher bei der Familie oder bei der Mannschaft sein möchte.

PK: Du hast schon mal davon gesprochen, dass du von Sandro Wagner viel gelernt hast. Kannst du sagen, was du dir genau von ihm abschauen konntest?

FP: In erster Linie die Siegermentalität und diese Gier nach Toren. Ich glaube, im Sechzehner springt der in jeden Ball rein und will unbedingt das Tor machen. Auch wie eiskalt er die Dinger reinmacht. Da arbeite ich jeden Tag weiter dran und bin froh, dass ich mir von ihm so viel abschauen konnte.

PK: Würdest du ihn mitnehmen zur WM nach Russland?

FP: Hundertprozentig (lächelt).

PK: Wie würdest du denn bisher deine persönliche Saison bewerten?

FP: Ich denke, jeder hat sich das hier vor Saisonbeginn ein wenig anders vorgestellt. Von daher bin ich natürlich schon auch unzufrieden mit der eigenen Leistung und dem Tabellenplatz. Aber jetzt sind wir wieder in einen positiven Schwung gekommen und versuchen, die Saison noch zu retten und den Klassenerhalt zu schaffen.

PK: Man sagt immer, in der Bundesliga ist es für einen Stürmer leichter, weil man etwas mehr Platz bekommt als in der zweiten Liga. Kannst du das bestätigen?

FP: Es ist schon etwas anderes. In der zweiten Liga geht es mehr über Zweikämpfe und insgesamt über den Kampf. Das ist etwas Neues, aber ich denke, dass ich damit eigentlich ganz gut umgehen kann. Es fehlen eigentlich nur die Tore.

PK: Die Unterstützung der Fans war in den letzten Spielen wirklich überragend. Wie sehr hilft euch das auf dem Platz?

FP: Das hilft uns ungemein! Die Fans sind uns sehr wichtig. Man muss es ihnen hoch anrechnen, dass sie in so einer Situation immer noch hinter uns stehen und uns so anpeitschen und unterstützen, ob in Heim- oder Auswärtsspielen. Das ist sensationell und das motiviert uns natürlich sehr.

PK: Was müsst ihr als Mannschaft noch ein bisschen besser machen, damit ihr in den engen Spielen wirklich mal diesen letzten Schritt macht und nicht nur mit einem Punkt vom Platz geht?

FP: Ich denke, in den letzten Spielen hat uns auch etwas das Quäntchen Glück gefehlt. Gerade bei uns Stürmern. Da müssen wir weiter dran arbeiten im Training und einfach kaltschnäuziger werden. Dann gehen die Bälle hoffentlich auch im Spiel rein.

PK: Wenn es wirklich nicht klappen sollte mit dem Klassenerhalt: Würdest du mit Darmstadt auch in die dritte Liga gehen?

FP: Da habe ich mir noch keine Gedanken drüber gemacht. Für mich geht es hier die nächsten Wochen nur um den Klassenerhalt. Alles Weitere sieht man nach der Saison. Ich habe meinen Beratern auch gesagt, dass ich nichts wissen will, den Klassenerhalt hier schaffen möchte und wir danach eventuell über die Zukunft sprechen können.

PK: Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für die letzten Spiele.