Inspiration

Darmstadt hat die Wahl

Am 6. März wählen rund 115.400 Darmstädter ihr Stadtparlament, rund 4600 Wahlberechtigte in Wixhausen zusätzlich den Ortsbeirat. Um die 71 Sitze in der Stadtverordnetenversammlung bewerben sich 441 Kandidaten auf zehn Listen: CDU, SPD, GRÜNE, LINKE, FDP, UFFBASSE, UWIGA, PIRATEN, DIE PARTEI und die AfD.

Am Wahlabend wird voraussichtlich gegen 20 Uhr ein erstes Trendergebnis aus allen 41 Darmstädter Wahllokalen (einschließlich Briefwahl) vorliegen, voraussichtlich am Mittwoch (9.) wird dann feststehen, wer künftig im Stadtparlament den Ton angibt.
VORHANG AUF Autorin Sandra Russo hat sich die Bewerberlisten für die Stadtverordnetenversammlung genauer angesehen.

Grün-Schwarz auf dem Prüfstand

Ein Blick auf die Kandidatenlisten für das Darmstädter Stadtparlament

71 Stühle sind am 6. März im Darmstädter Stadtparlament neu zu besetzen. Ob es zum großen Stühle rücken kommt, ist nicht absehbar, eine Wechselstimmung ist in Darmstadt nicht auszumachen: Grün-Schwarz will möglichst weiter regieren, die SPD ihre Schlappe von vor fünf Jahren wieder gutmachen. 441 Kandidaten bewerben sich um ein Mandat in der Stadtverordnetenversammlung: Erfahrene Kommunalpolitiker – aber auch jede Menge neue Gesichter.

Mit je 71 Kandidaten treten in Darmstadt die  CDU, die SPD und die Grünen an, die sieben weiteren Bewerberlisten mit weniger Kandidaten. Bei der CDU führt Stadtkämmerer André Schellenberg die Liste an, ihm folgt Bürgermeister Rafael Reißer. Beide, das ist schon jetzt klar, werden ihr Stadtverordnetenmandat nicht annehmen, um weiter hauptamtlich im Magistrat, der Stadtregierung wirken zu können – falls es nach dem 6. März wieder eine Stadtregierung mit CDU-Beteiligung geben wird. Dafür sorgen soll vor allem Spitzenmann André Schellenberg, der für die CDU das Gesicht der kommunalen Haushaltskonsolidierung ist. Ein Comeback im Stadtparlament feiern wird die frühere hessische Kultusministerin Karin Wolff, die nach CDU-Parteichef Ctirad Kotoucek auf Platz vier kandidiert. Der frühere Vize-Chef des hessischen Landeskriminalamtes und ehemalige Verfassungsschutz-Präsident Roland Desch kandidiert erstmals für das Darmstädter Parlament – auf Platz 12 der CDU-Liste. Auch die Musikerin Irith Gabriely bekennt sich zu den Christdemokraten, wenn auch auf dem hinteren Platz 59.

Die Darmstädter SPD setzt auch bei der Kommunalwahl auf ihre Allzweckwaffe: Brigitte Zypries, seit 2005 für Darmstadt direkt in den Bundestag gewählt, einstige Bundesjustizministerin und heute parlamentarische Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium, führt die SPD-Liste an. Hanno Benz, Oppositionsführer in der Stadtverordnetenversammlung, findet sich auf Rang vier, der Landtagsabgeordnete Michael Siebel, 2011 noch Spitzenkandidat der Darmstädter SPD, steht diesmal auf Platz zehn. Der frühere Baudezernent Dieter Wenzel bewirbt sich auf Platz 44 um ein Stadtverordnetenmandat und auch bei der SPD ist Musik drin: Jazzpianist Elias „Fuzzy“ Dahlhaus möchte nicht nur in der Krone am Piano sondern künftig auch im Stadtparlament sitzen – wenngleich das mit Platz 68 nicht gleich auf Anhieb klappen wird.

Ergebisse 2011 Das Spitzenduo der in Darmstadt tonangebenden Grünen bilden die beiden Fraktionsvorsitzenden Hildegard Förster-Heldmann und Yücel Akdeniz, der neue Parteisprecher Jürgen Deicke kandidiert auf Listenplatz 4. Nicole Frölich, engagiert in der Darmstädter Wohnungslosenhilfe, steht auf Platz elf der grünen Liste, die ehrenamtliche Stadträtin und Kulturpolitikerin Iris Bachmann auf Platz 17. Doris Fröhlich, derzeit als Stadtverordnetenvorsteherin erste Bürgerin der Stadt, steht auf Platz 27. Ein neues Gesicht bei den Grünen ist Marketing-Experte Heiko Depner auf Rang 31, die französische Gastronomin Djaida Henry-Perret (Marianne) bewirbt sich auf Platz 40 um ein grünes Parlamentsmandat. Die Landesvorsitzende der hessischen Grünen und ehemalige Bildungsdezernentin Darmstadts, Daniela Wagner, steht auf Platz 66 der grünen Liste.
Für die LINKE tritt Karl-Heinz Böck als Spitzenkandidat an, auch er hat schon einige Jahre Erfahrung im Darmstädter Parlament, gefolgt von Martina Hübscher-Paul auf Listenplatz 2. Werner Krone, Verkehrsexperte der Linken, kandidiert auf Platz vier der 55 Bewerber umfassenden linken Liste.

Die FDP geht mit dem Stadtverordneten und früheren Landtagsabgeordneten Leif Blum an der Spitze ins Rennen, der frühere Schuldezernent und ehemalige Stadtrat Dierk Molter kandidiert auf Platz sieben, Frank Sabais, Sohn des einstigen Darmstädter SPD-Oberbürgermeisters Heinz Winfried Sabais, das liberale Gewissen der Freien Demokraten und engagierter Darmstädter Kulturfreund, setzt auf eine Rückkehr ins Darmstädter Parlament von Platz neun der FDP-Liste aus. Ruth Wagner, ehemalige Ministerin für Wissenschaft und Kunst in Hessen und schon von daher verdiente Darmstädterin, nimmt den Ehrenplatz auf der FDP-Liste ein und schließt die liberale Liste auf Rang 47 ab.

Wieder an den Start geht UFFBASSE, seit 1993 auf der kommunalpolitischen Bühne in Darmstadt und seit 2001 eine feste Größe im Darmstädter Parlament. Unabhängig und frei, aufrecht, spontan, subkulturell und eigenwillig: Dafür steht Spitzenkandidatin Kerstin Lau, die mit ebenso klugen wie nachdenklich stimmenden Redebeiträgen die Stadtverordnetenversammlung bereichert, gefolgt von Georg Hang, der akribisch arbeitende Stadtverordnete, von dem es heißt, er kenne den städtischen Haushalt bis aufs letzte Komma. Auch Darmstadts Tausendsassa Jürgen Barth zieht es mit fast 80 lebensreichen Jahren zurück ins Stadtparlament, Theatermacher Klaus Lavies kandidiert auf Platz 19, Jörg Dillmann, einst UFFBASSE-Frontmann und Oberbürgermeister-Kandidat, schließt die Liste auf Rang 30 ab.

Die UWIGA stellt 34 Bewerber um ein Stadtverordnetenmandat, angeführt von Helmut Klett, die Piraten treten mit Claudia Stricker und 24 weiteren Kandidaten an.

Ärger gibt es um die PARTEI, die sich zwar als der Darmstädter Ableger der Satire-Partei um den einstigen Chefredakteur des Satire-Magazins Titanic, Martin Sonneborn, ausgibt – von dort gibt es aber inzwischen klare Distanzierungen wegen kruder Thesen dieser Gruppierung. Außerdem kandidiert die rechtspopulistische AfD.

Zuletzt beteiligten sich 49,4 Prozent der Darmstädter Wähler 2011 an der Kommunalwahl. Eine durchaus ausbaufähige Beteiligung. Es gilt, am 6. März die Demokratie vor Ort zu stärken – mit demokratischen Kräften im Darmstädter Stadtparlament!

Jeder Wähler hat 71 Stimmen

Wie kann man seine Stimmen vergeben?

Kumulieren: Der Wähler kann den Kandidaten keine, eine, zwei oder drei Stimmen geben, mittels Kreuz in die Felder oder per Zahl (1, 2 oder 3) – man häufelt also Stimmen an.

Panaschieren: Man kann seine 71 Stimmen vergeben und diese an unterschiedliche Listen (Parteien), bzw. ihre Bewerber verteilen.

Man kann auch ein Listenkreuz über einer Liste machen, dann werden alle 71 Stimmen von oben nach unten verteilt (sollten weniger Kandidaten auf einer Liste stehen, wird die Stimmverteilung von oben nach unten fortgesetzt.

Man muss nicht alle 71 Stimmen einzeln vergeben. Man kann einzelne Kandidaten wählen (mit eins, zwei oder höchstens drei Kreuzen) und zusätzlich ein Kreuz bei einer Liste machen – hier werden dann die restlichen Stimmen verteilt.

Man darf höchstens ein Listenkreuz machen, wenn man keine einzelnen Kandidaten wählt.

Kandidaten können auch gestrichen werden, sie erhalten dann keine Stimmen, auch wenn ein Kreuz bei einer Liste gemacht wurde.

Man darf keine Anmerkungen, Zeichnungen oder Symbole auf den Wahlzettel machen, sonst ist er ungültig.

BRIEFWAHL: Hier kann man schnell online noch die Briefwahl beantragen:

https://www.darmstadt.de/fileadmin/Bilder-Rubriken/Rathaus/Politik/wahlen/PDF-Dateien/Kommunalwahlen/Briefwahlantragsformular_Download.pdf

Alle Wahlprogramme online

Über den Tellerrand: Auch die Region wählt

Auch in den 23 Städten und Gemeinden rund um Darmstadt werden am 6. März die Kommunalparlamente neu gewählt und die Zusammensetzung des Kreistages Darmstadt-Dieburg bestimmt. Um die 71 Kreistagsmandate bewerben sich 353 Kandidaten von CDU, SPD, GRÜNE, LINKE, FDP, PIRATEN und AfD. In Ober-Ramstadt tritt der sozialdemokratische Bürgermeister Werner Schuchmann am 6. März außerdem zur Wiederwahl an, sein Konkurrent um den Chefsessel im Rathaus ist der unabhängige Kandidat Christian Jacoby.

Kommunalwahl in den Bericht

Und jetzt heißt es: WÄHLEN GEHEN!