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Dario Dumic: Der Turm in der Abwehr

Dario Dumic, Fussball Testspiel, SV Darmstadt 98 - SV Werder Bremen Foto: Hübner/Ulrich
Gude!
Neues Jahr, neues Glück? Was bringt 2020 für die Lilien? Zittern und Bibbern bis zum Schluss? Oder vielleicht doch eine Fortsetzung des Aufwärtstrends, der sich Ende der Hinrunde angedeutet hat? Obwohl der Februar der kürzeste Monat des Jahres ist, stehen für die Lilien fünf Spiele auf dem Programm. Drei davon finden am Böllenfalltor statt, wo die neue Gegengerade komplett in Betrieb genommen wird. Am Ende des Monats wird dann klarer sein, wohin die Reise in dieser Saison geht.
Weitere Infos rund um die Lilien, tagesaktuell und journalistisch fundiert, gibt es im Internet bei lilienblog.de, dem Online-Magazin zum SV Darmstadt 98.

Der Innenverteidiger überzeugt – Seine Zukunft in Darmstadt ist jedoch ungewiss

Zu Saisonbeginn kam Dario Dumic als Leihgabe zum SV Darmstadt 98. Bei den Lilien wurde er auf Anhieb Stammspieler und trug maßgeblich dazu bei, dass die Abwehr zuletzt der stärkste Mannschaftsteil war. Nur mit der Nationalmannschaft hat es für den gebürtigen Bosnier bislang noch nicht so richtig geklappt.

Mit seinen 1,93 Metern ist Dario Dumic eine imposante Gestalt. Die braunen Haare und die blauen Augen sorgen für einen hohen Beliebtheitsgrad bei weiblichen Fans. Aber vor allem ist er ein ziemlich guter Fußballer.

 

Dario Dumic (links) jubelt nach dem ersten Saisonsieg über Holstein Kiel.
Foto: Hübner/Ulrich

Keine Minute hatte Dumic bis zur Winterpause bei den Lilien versäumt. Er ist kompromisslos, kopfball- und zweikampfstark und hat zudem schon drei Treffer erzielt. Da schmälern auch das Eigentor gegen Jahn Regensburg und der Patzer gegen Arminia Bielefeld nicht den positiven Gesamteindruck – die Ausleihe des Innenverteidigers vom niederländischen Erstligisten FC Utrecht hat sich gelohnt. Auch das Fachmagazin „kicker“ führte den mittlerweile 28 Jährigen in seiner Winterrangliste als einen der besten Innenverteidiger der Liga.

Dario Dumic (links) im Testspiel gegen Vitesse Arnheim.
Foto: Hübner/Ulrich

Geboren wurde Dumic 1992 während des jugoslawischen Bürgerkriegs in Sarajevo im heutigen Bosnien-Herzegowina. Seine Familie floh nach Dänemark, lebte einige Jahre in einem Flüchtlingszentrum. Dass der kleine Dario, sobald er laufen konnte eine Begeisterung und ein Talent für Fußball entwickelte, kam eher überraschend. Sein Vater war zwar ein sehr guter Skifahrer. Aber Fußball habe in der Familie nie eine Rolle gespielt, erinnert sich Dumic. Bereits mit 16 Jahren wechselte er zu Norwich City nach England. Noch in der Jugend kehrte er zurück nach Dänemark, schloss sich Brøndby IF an und wurde dort später Profi. Für den Verein aus Kopenhagen bestritt er 106 Spiele, kam auch in der Qualifikation zur UEFA Europa League zum Einsatz.

Abgehärtet gegen Unruhe und enge Tabellenkonstellationen

In der Winterpause der Saison 2015/16 wechselte er auf Leihbasis in die niederländische Eredivisie zu NEC Nijmegen. Zur neuen Saison kehrte er zunächst zu Brøndby IF zurück, wurde aber kurze Zeit später von Nijmegen fest verpflichtet. Im Sommer 2017 wechselte er zum FC Utrecht.
Vergangene Saison schnupperte er als Leihgabe bereits bei Dynamo Dresden Zweitliga-Luft. 26 Spiele absolvierte er für die Sachsen, erlebte drei verschiedene Trainer. Die Mannschaft kämpfte lange gegen den Abstieg, hielt am Ende einer turbulenten Saison jedoch die Klasse. An Darmstadt schätze er nun, dass es etwas ruhiger sei – im Verein und in der Stadt, sagt Dumic. Aber die Erfahrungen in Dresden geben ihm auch Ruhe, wenn es einmal nicht so läuft. „In der 2. Liga gibt es so viele Mannschaften, zwischen denen nur ein paar Punkte liegen“, sagt er dem Online-Magazin Lilienblog. Deswegen gucke er auch immer nur auf den nächsten Gegner. „Ein Sieg und Du bist gut. Dann verlierst Du einmal, und dann ist es nicht mehr gut. Du solltest in dieser Liga nicht zu viel auf die Tabelle gucken. Das hat keinen Sinn.“

Ein eingespieltes Tandem und eine offene Zukunft

Mit Immanuel Höhn bildete er von Saisonbeginn an ein sicheres Innenverteidiger-Tandem. „Mit Höhni habe ich eine gute Chemie“, sagte Dumic schon früh. Mathias Wittek, ebenfalls ein gestandener Zweitliga-Spieler, blieb bis zu seinem Kreuzbandriss im Herbst nur die Bank.
Zur Winterpause besserten die Lilien auf der Position nach, holten Nicolai Rapp von Union Berlin. Dessen erklärtes Ziel ist es, in Darmstadt mehr Spielpraxis zu sammeln. Lilien-Coach Dimitrios Grammozis freut sich über den neuen Konkurrenzkampf. Doch ob er das bewährte Duo Dumic-Höhn dafür sprengen wird, ist fraglich.
Fraglich ist auch, wie es mit Dumic im Sommer weitergeht, wenn seine Leihe ausläuft. Zwar besitzen die Lilien eine Kaufoption. Doch der Marktwert von Dumic wird vom Portal transfermarkt.de derzeit auf rund eine Million Euro taxiert.
Das ist eine ganze Menge Geld für einen Verein, der gerade sein Stadion umbaut und im Sommer mit dem größten und teuersten Teilprojekt beginnen will, dem Neubau der Haupttribüne. Schon im Vorjahr hatten die Lilien bei Vorgänger Marcel Franke, wie Dumic ein ausgeliehener Innenverteidiger, bei einem ähnlichen Marktwert die Kaufoption nicht gezogen.
So ist also nicht ausgeschlossen, dass Dumic nach Saisonende weiterzieht. „Ich habe verschiedene Länder gesehen, speziell in der jüngeren Vergangenheit. Aber ich selbst empfinde diese Jahre nicht als außergewöhnlich sprunghaft“, sagte er dem „Lilienkurier“ in einem Interview. „Das liegt vielleicht auch daran, dass ich neue Situationen sehr schnell annehmen kann. Das ist typisch für Leute aus Bosnien, wir finden uns überall zurecht.“

Die Sache mit der Nationalmannschaft

Sollte Dumic an die Leistung der Hinrunde anknüpfen, könnte auch die Nationalmannschaft wieder ein Thema werden. Von der U17 bis zur U20 hatte er für Dänemark 37 Nachwuchs-Länderspiele bestritten. Bei den Senioren lief er dann für Bosnien-Herzegowina auf. „Ich fühle mich sowohl als Däne als auch als Bosnier“, sagt er. Am 28. März 2017 gab er beim 2:1-Sieg im Testspiel in Elbasan gegen Albanien sein Debüt für sein Geburtsland. Bislang kam er fünfmal im Nationaltrikot zum Einsatz, zuletzt im Oktober 2017.
Dass er danach nicht mehr zum Zuge kam, hat aus seiner Sicht mehrere Gründe: Erst wurde der frühere Spitzenspieler Robert Prosinecki (u.a. Real Madrid, FC Barcelona) Nationaltrainer. Dumic selbst kam in Utrecht nicht mehr so oft zum Zug, woraufhin er für das erste Spiel nicht nominiert wurde. Daraufhin habe die Nationalmannschaft immer wieder gewonnen. So gab es einen Grund für Änderungen.
Doch seit Ende November ist Prosinecki nicht mehr Nationaltrainer. „Mal sehen, was passiert. Normalerweise müsste ich in der Nationalelf spie- len. Aber in Bosnien ist das ein bisschen kompliziert“, sagt er. „Wenn ich hier weiter gut spiele, werde ich vielleicht wieder einen Anruf bekommen. Wenn nicht, auch kein Problem.“

 

Trainer Dimitrios Grammozis (SV Darmstadt 98)
Foto: Hübner/Ulrich

 

 

 

 

 

 

 

 

 

„Die Weiterentwicklung dauert an“
Drei Fragen an Lilien-Coach Dimitrios Grammozis

? Herr Grammozis, Sie sind im Februar vor einem Jahr in Darmstadt mit der Mission angetreten, die Mannschaft erst zu stabilisieren und dann weiterzuentwickeln. Die Stabilisierung ist mit dem vorzeitigen Klassenerhalt vergangene Saison gelungen. Wie sieht es jetzt mit der Weiterentwicklung aus?

Grammozis: Die Weiterentwicklung dauert an. Natürlich gibt es da Rückschläge. Die haben andere Teams auch. Wir haben im Sommer einen kleinen Umbruch eingeleitet. Das geht nicht von heute auf morgen. Und auf dem Verein lastet sehr viel Druck mit dem Stadionumbau. Der Verein braucht eine gewisse sportliche Stabilität, um mit wirtschaftlicher Beinfreiheit das Stadion fertigzustellen. Und wenn wir auf dem Platz stabil bleiben, bin ich davon überzeugt, dass wir in der zweiten Serie in ruhigere Gewässer kommen werden.

? Wo soll die Weiterentwicklung denn hinführen?

Grammozis: Dass die Jungs unsere Philosophie so oft wie möglich auf dem Platz zeigen und die entsprechenden Ergebnisse einspielen. Denn ein gutes Spiel ohne Ergebnis ist letztlich genauso wenig wert wie ein schlechtes Spiel ohne Ergebnis.

? Ihr Vorgänger Dirk Schuster hat mal gesagt: „Wenn Du einmal in der Bundesliga warst, willst Du immer wieder dorthin zurück?“ Geht Ihnen das als Ex-Bundesliga-Spieler auch so?

Grammozis: Als Spieler wie als Trainer habe ich immer den Anspruch, so maximal wie möglich zu spielen. Das ist natürlich nicht so einfach. Man fährt gut damit, wenn man sich an die schönen Zeiten erinnert, aber ihnen nicht zu sehr nachhängt. Aber man muss auch wissen, dass man Zeit braucht, um sich zu stabilisieren und ein Fundament aufzubauen, von dem aus man den nächsten Schritt machen kann.