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Zwei Highlights am Bölle im Oktober

Nach den vielen Partien in der zweiten Septemberhälfte geht es im Oktober auch wegen einer weiteren Länderspielpause etwas ruhiger zu. Von den drei zu absolvierenden Ligapartien sticht eindeutig das Spiel gegen den Bundesliga-Absteiger Hamburger SV heraus, zudem wartet im Pokal mit Hertha BSC eine echte Herausforderung auf die Lilien.

Schon zum Auftakt des Monats (Fr., 5.10., 18.30 Uhr) empfangen die Darmstädter den erst vor ein paar Monaten ausgestorbenen Bundesliga-Dino aus dem hohen Norden. Ein echter Kracher am Freitagabend im ausverkauften Stadion am Böllenfalltor, in dem die Zuschauer sicher wieder für eine einmalige Flutlicht-Atmosphäre sorgen werden. Der HSV ist neben dem 1. FC Köln der haushohe Favorit auf den Aufstieg, offenbarte bei der Auftaktpleite gegen Kiel zwar Startschwierigkeiten in der neuen Liga, scheint mittlerweile aber langsam in Tritt zu kommen. Von der Kaderqualität könnten die Hamburger dank Spielern wie Holtby, Hunt, Douglas Santos oder Neuzugang Hwang sicher auch in der ersten Liga mithalten, müssen aber langfristig mit der neuen Favoritenrolle in der zweiten Liga erstmal zurechtkommen. Das Team von Trainer Christian Titz legt großen Wert auf einen gepflegten Spielaufbau verbunden mit einem enorm offensiven Torwartspiel und viel Ballbesitz, zeigte sich bisher jedoch wenig kreativ gegen tief stehende Gegner und wirkte nach Ballverlusten enorm konteranfällig. Die Lilien sollten also durchaus in der Lage sein, den Klub aus dem hohen Norden in Bedrängnis zu bringen. Da der HSV durch seine Offensivqualität stets in der Lage ist, Tore zu erzielen, wäre ein Punkt aber sicher schon ein Erfolg für den SV 98.

Nach der Länderspielpause reisen die Lilien in den Süden zur SSV Jahn Regensburg (So., 21.10., 13.30 Uhr). Die Bayern haben eine ähnliche Erfolgsgeschichte wie die Darmstädter zu verzeichnen und schafften im Vorjahr den direkten Durchmarsch von der vierten Liga bis in die Zweite Bundesliga. Auch in der zweithöchsten deutschen Spielklasse sorgte der Jahn trotz geringer finanzieller Mittel für Furore und beendete die vergangene Saison auf einem beeindruckenden fünften Platz. Der bekannteste Spieler ist neben dem langjährigen Bundesliga-Profi Sebastian Freis sicher Angreifer und Kapitän Marco Grüttner, der letzte Saison mit 13 Treffen einen erheblichen Anteil an der starken Saison der Bayern hatte. Besonders im heimischen Stadion sind die laufstarken und schnell umschaltenden Regensburger nur sehr schwer zu schlagen. Coach Achim Beierlorzer brachte die Leipziger Pressing-Mentalität mit in den Süden und konnte so schon viele vermeintliche Favoriten ärgern. Die Darmstädter dürften von der Spielweise der Regensburger nicht mehr überrascht werden, waren sie aufgrund des DFB-Pokals in der letzten Saison sogar zweimal in der Continental Arena zu Gast. Doch auch wenn die Lilien das Aufeinandertreffen im Mai glücklich mit 3:0 für sich entschieden: Um aus Regensburg erneut alle drei Punkte mitzunehmen, muss aus Darmstädter Sicht nahezu alles glatt laufen.

Das nächste Freitagabend-Heimspiel bestreitet der SV Darmstadt gegen Greuther Fürth (Fr., 26.10., 18.30 Uhr). Erst der späte Siegtreffer von Tobias Kempe im letzten Lilien-Heimspiel der vergangenen Saison gegen Aue rettete die Kleeblätter vor einem möglichen Abstieg in der Relegation. Umso erstaunlicher ist der diesjährige Saisonstart der Fürther, die beinahe den BVB aus dem Pokal geworfen hätten und auch in der Liga schon einige beachtliche Ergebnisse einfahren konnten. Mit schnellen Spielern wie Green oder Atanga lässt sich das auf Konter ausgelegte Spiel des ewigen Zweitliga-Tabellenführers perfekt aufziehen, im Sturm verwertet Keita-Ruel die Hereingaben bisher nach Belieben. Auch wenn nicht davon auszugehen ist, dass die Bayern den Lauf der ersten Spiele fortführen können, sind sie durch ihr neu gewonnenes Selbstvertrauen doch ein mehr als ernstzunehmender Gegner. Da die letzten Aufeinandertreffen mit den Darmstädtern nicht unbedingt torreich endeten, werden auch diesmal Kleinigkeiten den Ausschlag geben. Am Böllenfalltor sollten drei Punkte für die Lilien aber möglich sein.

Zum Abschluss des Monats dürfen sich die Anhänger der Darmstädter auf ein weiteres großes Fußballfest im heimischen Stadion freuen. Durch den überzeugenden Sieg in der ersten Runde in Magdeburg erreichten die Lilien zum dritten Mal seit 2015 die zweite Runde des DFB-Pokals und bekommen es in dieser mit Hertha BSC (Di., 30.10., 18.30 Uhr) zu tun. Seit 1985 versucht der Hauptstadtklub vergeblich, das Finale im eigenen Stadion zu erreichen. Dieses Jahr scheint das nach den Eindrücken der ersten Saisonspiele nicht unmöglich. In den letzten Spielzeiten eher auf pragmatische Defensivarbeit und gezielte Nadelstiche in der Offensive bedacht, versucht das Team von Pal Dardai diese Saison torgefährlicher zu werden, ohne die Stabilität in der Abwehr einzubüßen. Helfen sollen dabei junge Spieler wie Mittelstädt, Stark Torunarigha, Maier oder Dilrosun, die für eine neue, positive Hertha-Zukunft stehen und mittlerweile wichtige Rollen auf dem Feld einnehmen. Dazu kommen routinierte Angreifer wie Ibisevic, Kalou oder Selke, die jederzeit für einen Treffer gut sind. Auch wenn der Name Hertha BSC auf den ersten Blick kein Angst und Schrecken verbreitet: Viel schwierigere Aufgaben hätte es für die Darmstädter kaum geben können. Die Berliner Defensive ist schwer zu überwinden, die Offensive besitzt die individuelle Qualität, um aus dem nichts zu treffen. Es ist ein torarmes Spiel zu erwarten, in dem die Lilien hochkonzentriert agieren müssen, um eventuell eine Verlängerung oder ein Elfmeterschießen zu erzwingen und dort dem Bundesligisten mit etwas Glück den Schein abzukaufen.