Inspiration

Zu wenig Suspense

Kennen Sie das?
Sie freuen sich unglaublich auf das neue Buch eines gehypten Autors, stürzen sich begeistert in die Lektüre…und sind total enttäuscht. Weil Sie etwas anderes erwartet haben, die Story Sie überhaupt nicht packt, oder weil Sie sich ärgern über den platten Plot. Diesen Buchkauf hätten Sie sich dann glatt sparen können. Natürlich sind die Geschmäcker verschieden – aber die Anschaffung dieser beiden neuen Bücher sollten Sie vielleicht noch mal überdenken…

Mögen Sie Tana French? Wenn Sie die subtilen Kriminalromane der irischen Bestsellerautorin bisher verschlungen haben, könnte ihr neuer Roman eine herbe Enttäuschung sein. Denn der kommt nicht an die spannenden Vorgänger heran. Schade!

Böses geschieht, Menschen sterben, Intrigen werden gesponnen, seelische Abgründe offenbar – auch in „Der dunkle Garten“ bleibt die 1978 geborene Autorin ihrer Devise treu, das Vor- und Nachher übler Taten ausschweifend zu beschreiben. Doch leider überzeugt sie diesmal nicht mit ausgefeilten Plots und ihrem Psycho-Schreibstil. Denn die Geschichte ist konstruiert und ertrinkt in öden Wiederholungen. Es geht um den 28-jährigen Toby Hennessy, der nach einem brutalen Überfall in seiner Wohnung unter Erinnerungslücken leidet. Warum er als Opfer auserkoren wurde, ist ihm ein Rätsel. Um das traumatische Erlebnis zu verarbeiten, flüchtet Toby ins verwunschene Anwesen seiner Familie am Rande Dublins. Hier soll er seinen an einem Gehirntumor sterbenden Onkel im Blick behalten und wird dabei von Cousin und Cousine unterstützt. Doch dann taucht das Skelett eines alten Schulfreundes im Garten und damit Tiefdunkles aus der Vergangenheit auf. Wer ist der Mörder? Was wissen Tobys Verwandte? Und hängt der Überfall damit zusammen? Die Auflösung zögert French mit ellenlangen Reflexionen und nervenden Beschwörungen der Familie unnötig hinaus. Kein Vergleich ist das mit den genialen Krimis aus ihrer „Dublin Murder Squad“-Reihe.

Tana French | Der dunkle Garten | Scherz | 16,99 Euro