Inspiration

Zahlen. Daten. Städte.

Städte brauchen Fakten. Und wir Bürger auch.

Daten. DER Rohstoff des 21. Jahrhunderts. Gesammelt, analysiert und ausgewertet unterstützen sie uns als Individuen dabei, unseren nächsten Wohnort im Grünen auszuwählen: mit fußläufig erreichbarer KITA und vielfältigem Kulturangebot. Oder sie helfen einer Stadt, das ermittelte Verkehrsaufkommen mittels intelligenter Ampelschaltungen in den Griff zu kriegen. Doch dazu braucht es viele Daten. Sehr viele!

Stellen Sie sich einmal vor, Sie schreiben ein Jahr lang jeden Tag auf, was Sie wann und in welchen Mengen gegessen haben. Außerdem notieren Sie, wie es Ihnen geht. Am Ende des Jahres werten sie die erhobenen Daten aus, setzen die Ergebnisse zueinander in Beziehung und stellen erstaunt fest: Wenn Sie Käse essen, dann ist Ihnen ein paar Stunden später übel. In neun von zehn Fällen. Also signifikant oft. Sie haben offensichtlich ein Muster erkannt, auf dessen Grundlage Sie sich nun weitere Schritte überlegen können. Zum Beispiel Ihre Essgewohnheiten überdenken. Oder vielleicht mal zum Arzt gehen.

Groß, größer, offen
Daten werden heutzutage im richtig großen Stil gesammelt: Auf ein Ziel ausgerichtet, weitgehend automatisiert und möglichst aktuell. Dies geschieht etwa über Sensoren an Messstationen oder auch via anonymisierter Nutzerdaten. Big Data. Sie ermöglichen es uns, verlässliche Muster aufzudecken, durch Verknüpfen mit anderen Daten weiterführende Erkenntnisse zu gewinnen und mögliche Handlungen abzuleiten. Im städtischen Kontext kann das das Auswerten von Umweltdaten sein, um vor Feinstaubbelastung zu warnen.
Wenn solche Datenmengen unverarbeitet, also als Rohdaten öffentlich verfügbar gemacht werden, so sprechen wir von Open Data. Informationen, die dem Datenschutz unterliegen, sind hierbei natürlich tabu. Vor allem personenbezogene. Möglich hingegen sind etwa Daten zu Wetter, Umwelt, geografischen Gegebenheiten oder Verkehr. Über Letzteres kann sich übrigens auch der Darmstädter Bürger im Internet dank Open Data ein Bild machen (siehe Screenshot unten) oder online:
https://darmstadt.ui-traffic.de/

Sicher ist sicher (?)
Das Sammeln von Daten wirft natürlich immer sofort Fragen nach dem Datenschutz auf. Ein berechtigtes und ebenso heikles wie komplexes Thema. Ist „anonym“ tatsächlich anonym? Kann man aus den nicht-personalisierten Daten am Ende doch Schlussfolgerungen auf eine konkrete Person ziehen? Nun, das hängt freilich auch davon ab, was wir selbst von uns preiszugeben bereit sind, denn Datenschutz hat auch immer sehr viel mit unserem eigenen Verhalten zu tun. Wenn ich auf der einen Seite in den sozialen Medien persönlichste Informationen preisgebe, mich aber quasi im selben Atemzug darüber aufrege, dass mein Auto anonymisiert gezählt wird, um das Verkehrsaufkommen auf dem Cityring zu analysieren …
merken Sie selbst, gell?

Übrigens…
… eine aktuelle Studie hat unlängst untersucht, von wo nach wo wir Deutschen uns so über den Tag verteilt bewegen. Und als Open Data ins Internet gestellt*. Ich habe mir das für die Darmstädter Stadtmitte einmal genauer angeschaut und folgende interessante Auswertung erhalten: „Die Region Darmstadt startet im Durchschnitt um 9:21 Uhr in den Tag. Das ist 1 Stunde und 52 Minuten später als im Bundesdurchschnitt.“ Tja, der Darmstädter hält’s halt mit seinem Datterich: „[..] aurora musis amica, des haaßt uf Deitsch: Morjends schläft mer am Beste.“
*https://next.telefonica.de/so-bewegt-sich-deutschland