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Was ist eine Fahrradstraße?

Foto: wikipedia/Erkaha

„Vorrang für Fahrräder“, aber was bedeutet das?

Die Stadt Darmstadt hat die erste Fahrradstraße am 20. Juli 2015 in der Wilhelminenstraße eröffnet, von der „Runden Kirche“ über die Heinrichstraße bis hinauf zur Goethestraße.

Heute wird die Wilhelminenstraße so selbstverständlich von vielen Fahrradfahrern als Zugang zur Innenstadt genutzt, als wenn sie schon immer eine Fahrradstraße gewesen wäre.

Das Verkehrsschild „Fahrradstraße“ hat mit so manch anderem Verkehrsschild gemein, dass es zweimal gelesen werden sollte. Der Gedanke, dass es sich dabei immer um eine reine Fahrradstraße handelt, ist nämlich meistens falsch!

fahrradstrasse

Der Gesetzgeber hat 1997 mit der Fahrrad-Novelle der Straßenverkehrsordnung (StVO) die Fahrradstraße eingeführt, nachdem sie zuvor in verschiedenen Städten erfolgreich getestet worden war. Zur Fahrradstraße wird eine Straße durch Aufstellen des Verkehrsschildes „Fahrradstraße“.

Dann darf nur Radverkehr und kein anderer Fahrzeugverkehr diese Straße benutzen. Ob ich als Autofahrer/in eine Fahrradstraße benutzen darf, erkennt man am Zusatzsschild „KFZ frei“.pkw-frei

Auch in der Wilhelminenstraße hängen diese beiden Verkehrsschilder. Die Wilhelminenstraße ist also frei für den PKW-Verkehr. In einer solchen für den PKW-Verkehr freigegebenen Fahrradstraße gilt folgendes:

  • Der Fahrradverkehr genießt Vorrang
  • Der Fahrradverkehr bestimmt das Tempo, Autofahrer sollen mit dem Verkehr mitrollen
  • Autofahrer dürfen aber Überholen, sie müssen jedoch einen Mindestabstand von einenhalb Metern zu Fahrradfahrern halten
  • Fahrradfahrer dürfen – mit Rücksichtnahme auf die anderen Verkehrsteilnehmer und entgegenkommende Radler – nebeneinander fahren
  • Das Rechtsfahrgebot gilt für Autofahrer und Fahrradfahrer
  • Der Radverkehr kann durch entsprechende Verkehrsschilder an Kreuzungen Vorfahrt erhalten
  • Aber: Wenn nichts anderes beschildert ist gilt: „Rechts vor links“
  • Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 30 Stundenkilometer, für Autofahrer und für Fahrradfahrer

Das Problem:
Viele Kommunen weisen Fahrradstraßen aus, geben diese aber gleichzeitig für den Kfz-Verkehr frei. Dabei wird sie häufig als Einbahnstraße eingerichtet, während der Fahrradverkehr in beide Fahrtrichtungen fahren darf.
Daraus entsteht schnell eine gefährliche Situation: Während der Autofahrer versucht, den vor ihm fahrenden Fahrradfahrer zu überholen, kann ihm jederzeit ein anderer Fahrradfahrer entgegenkommen.
Dies gilt auch für die obendrein noch abschüssige Wilhelminenstraße.

Die Lösung:
Notwendig wäre ein generelles Überholverbot für den Kfz-Verkehr in Fahrradstraßen. Dadurch würde die gefährliche Begegnung zwischen Fahrradfahrer und überholendem Autofahrer vermieden. Es gäbe auch kein Drängeln und es wäre insgesamt ein entspannteres Fahren auf beiden Seiten.

Rolf Ahrens | Rechtsanwalt