Inspiration

18.5. | Warum in die Ferne schweifen? – Tage, die alles verändern

Anke Breitmaier

Das Morden liegt doch so nah: Regionale Krimis führen uns auf blutrünstige Abwege gleich vor unserer Haustüre. Andreas Roß ist als Darmstädter Krimiautor Fachmann für regionale Tatorte – sein neues Buch ist ein regelrechter Mordsschinken.

 

Dunkle Abgründe

Was wäre ein Autor ohne seine Leser? Andreas Roß, schreibender Sozialarbeiter mit einem Faible für Mord und Totschlag, hätte ohne aufmerksame Fans diesen Krimi vielleicht nicht geschrieben. Drei Leserinnen wiesen ihn auf eine logische Unstimmigkeit hin. Nun löst Roß ein familiäres Rätsel und einen Mordfall auf einen Schlag.

Wir befinden uns im Jahr 2001, Lothar Ludwig Dobermann residiert als Kriminalhauptkommissar im Polizeipräsidium in der Klappacher Straße, Sohn Benjamin ist 18 Jahre alt, Frau Veronika wegen einer schweren Erkrankung auf Kur – da rüttelt ein Mord den Kriminalisten auf. In der Nähe der Stadtbibliothek wird eine übel zugerichtete männliche Leiche gefunden, kurz darauf verschwindet dieselbe aus der Pathologie. Zeitgleich ereignen sich in den Katakomben unter der Dieburger Straße seltsame Dinge, und die Exfrau eines lokalen Krimiautors gerät ins Visier der Ermittler. Was hat sie mit dem Mord zu tun? Wer ist die mysteriöse Stadtführerin, und wo ist die Leiche?

Rätsel um Rätsel muss Dobermann lösen und auch noch familienintern Brisantes klären. Dabei treibt es ihn quer durch Darmstadt und Umgebung, direktemang in schaurige Verließe – menschlich und architektonisch. Die 500 Seiten liest man in einem Rutsch weg, Roß schreibt süffig, die Dialoge sind markant, die Einschübe in Heinerhessisch köstlich. Und in jeder Zeile wird spürbar: Auf dem Papier mordet Roß leidenschaftlich gern, am liebsten vor der heimeligen Kulisse Darmstadts – das ist ein Lesespaß, nicht nur für Ortskundige.

Andreas Roß | Tage, die alles verändern | Naumann Verlag, 14,95 Euro

18.5. | 20 Uhr | Premierenlesung des neuen Dobermann-Krimis „Tage, die alles verändern“ mit Andreas Roß & Harald Pons | Hoffart Theater | Darmstadt | Eintritt 5 Euro