Inspiration

Von Pokémons und freien Parkplätzen

Liebe Leserinnen, liebe Leser,
ich lade Sie herzlich ein, mit mir Darmstadts digitale Seite zu entdecken und besser zu verstehen, was zwischen Bits & Bytes in unserer Heimatstadt so alles passiert. Als Informatikprofessorin, Wissenskabarettistin und Digital-optimistin sehe ich vor allem die Chancen der Digitalisierung, habe aber eventuelle Risiken und Nebenwirkungen immer fest im Blick. Übrigens erkläre ich das eine oder andere Digitale auch in Wort und Ton. Wenn Sie mögen, dann schauen Sie doch auch mal hier vorbei:
www.digitaloptimismus.de

Wie digitale Stände mit Schlüsseltechnologien punkten können

Letztes Jahr war’s, als Unmengen junger und nicht mehr ganz so junger Menschen samt ihren Smartphones den Weg in die Natur oder zumindest in die feinstaubigen Innenstädte fanden. Weg vom heimischen Computer, hin zu Taubsi, Rattfatz und der wilden Rossana. „Pokémon Go“ war eine DER Apps des Jahres 2016. Und sie brachte einer breiten Masse nah, was auch für digitale Städte eine Schlüsseltechnologie der nächsten Jahre sein wird: Augmented Reality.

Vielleicht haben Sie in den Medien oder gar „in echt“ schon einmal diese futuristischen Brillen gesehen, mit denen man in virtuelle Welten eintauchen kann. Einfach aufgesetzt und schon kämpft man in einem Zauberland gegen feuerspeiende Drachen oder während einer mörderischen Achterbahnfahrt gegen Übelkeit. Natürlich nicht wirklich. Aber durch die Brille und den entsprechend randlosen Bildausschnitt, der sich auch noch mit jeder Kopfbewegung so verändert, also ob wir tatsächlich am Ort des Geschehens wären, hält unser Gehirn das Ganze für echt. Dergestalt getriggert, reagiert der Rest vom Körper auf eine Weise, als ob wir tatsächlich eine Achterbahn entlang rasten. Details erspare ich Ihnen. Diese Technologie nennt sich Virtual Reality (VR) und wird längst nicht nur bei Computerspielen eingesetzt, sondern auch in Medizin oder Architektur.

Die Kombi macht’s

Nicht ganz so virtuell ist die Augmented Reality (AR). Die erwähnte Brille ist nicht unbedingt nötig, Smartphone oder Tablet und eine entsprechende App reichen. Wortwörtlich handelt es sich um die digitale Erweiterung der Realität. Wir sehen also etwa durch unsere Smartphone-Kamera mit einer entsprechenden AR-App den Georg-Büchner-Platz und just neben dem „Grande Disco“ von Pomodoro hüpft uns dann auf dem Bildschirm ein Taubsi entgegen. Platz und Pomodoro sind echt, das Pokémon freilich nicht.

Real und virtuell verschmelzen – auch, um uns Einkäufe schmackhafter zu machen. Das bekannte schwedische Möbelhaus ermöglicht uns beispielsweise, den für schön befundenen Sessel aus dem Katalog schon mal testweise neben Oma Lottes geerbte Vitrine zu stellen. Virtuell. Das Wohnzimmer und die Vitrine sind echt, der Sessel wird digital ins Bild „gezaubert“. Allerdings müssen wir uns, damit das funktioniert, auch in diesem Zimmer befinden.

„Schatz, da vorne ist noch was frei.“

An einer solchen Technologie kommt natürlich auch eine digitale Stadt nicht vorbei. War für die Babyboomer noch der Fernseher die Schlüsseltechnologie schlechthin, so sind es für die so genannte Generation Z, also für die etwa ab 1995 Geborenen, eindeutig AR und VR. Und die Möglichkeiten – auch für digitale Städte – sind schier unerschöpflich.Stichwort „Fremdenverkehr“. Da hält der begeisterte Tourist seine Smartphone-Kamera einfach in Richtung Kuppelkirche und bekommt in das Bild derselben automatisch Informationen darüber eingeblendet, wann sie nach den Plänen welches Architekten erbaut wurde. Oder der Parkplatz-suchende Darmstädter: Smartphone in Richtung City-Tunnel gehalten und schon sieht er „realitätserweitert“, in welchem Parkhaus noch was frei ist.

Gerüchtehalber basteln Wissenschaftler gerade an einer AR-App, mit der man das Bölle ins Visier nimmt und dann auf dem Bildschirm die ideale Aufstellung der Lilien fürs nächste Heimspiel angezeigt bekommt. Aber wie gesagt… Gerüchte.