Inspiration

Verschlungene Schicksalswege

Keine andere schreibt wie Isabel Allende. Die Romane der chilenischen Autorin haben immer etwas Magisches, denn so locker sie sich lesen, so tiefgründig sind sie. In diesem Buch geht es ums Älterwerden, aber vor allem um die Liebe.

Folter, Kindstod, Krebs und Mord – Allende fährt wirklich scharfe Geschütze auf. Aber sie darf das, denn die Weltklasse-Schriftstellerin zaubert aus diesen Zutaten eine stimmige Mischung, die extrem unterhaltsam ist. Die über sechzigjährige, temperamentvolle Lucía Maraz ist gebürtige Chilenin und Gastdozentin an der New York University. Ihr fast gleichaltriger Chef Richard Bowmaster, ein von Nahrungsmittelunverträglichkeiten geplagter Eigenbrötler, hat Lucía im Keller seines Hauses einquartiert und hält Abstand zu ihr – bis er eines Abends in einen Auffahrunfall verwickelt wird. Fahrerin des anderen Wagens ist ein Kindermädchen aus Guatemala. Das Auto gehört ihren Arbeitgebern, zurückbringen kann sie es nicht. Denn im Kofferraum liegt eine Leiche. Zur Polizei kann sie auch nicht gehen, weil sie illegal im Land ist. Der überforderte Richard bittet Lucía um Hilfe und das ist Auftakt für ein kurioses Roadmovie mit Liebeshappyend. Denn die drei Schicksalsgenossen sehen nur eine Lösung: Sie müssen die Tote verschwinden lassen. Diese Handlung verwebt Allende mit den Lebenswegen der Hauptfiguren. Und da ist alles dabei, denn das Kindermädchen ist auf spektakuläre Weise nach Amerika geflohen, Lucía kam als junge Frau in die Wirren des chilenischen Militärputsches und Richard nagt an seiner Familiengeschichte. Fantastisch fabuliert Allende in elegantem Ton und reißt ihre Leser wie immer mit in einem gewaltigen Erzählstrom.

Isabel Allende | Ein unvergänglicher Sommer | Suhrkamp | 24 Euro