Inspiration

Menschenskind, Lena

Wo sollen einen die anderen suchen, wenn man sich selbst noch nicht gefunden hat? Lena, 25, weiß nicht so recht, wer sie ist und was sie eigentlich will. Pauline Keller erzählt in ihrem ersten Roman von Lenas Findungskrise zwischen Familienessen und Klassentreffen.

In höheren Sphären schwebt sie nicht, obwohl sie mit ihren 1,82 m Körpergröße andere oft überragt: Lena hat soeben ihr BWL-Studium abgeschlossen und befindet sich in einer schwierigen Übergangsphase. Rumlungern will sie nicht, aber auf keinen Fall gleich voll arbeiten. Die Eltern nerven, weil Lena nicht vorzeigbar ist wie Nachbarskinder. Die verheiratete Schwester schüttet ordentlich Öl ins Feuer – schließlich hat sie eine gute Partie gemacht und bereits ein Kind. Die verwöhnte Göre kann Lena ebenso wenig leiden wie ihren großkotzigen Schwager, der sie wegen ihrer Größe und ihrer Zukunftsplanung piesackt. Wäre da nicht Lenas Freund Christian, der sie mit überirdischem Gleichmut liebt, dann wäre Lena vielleicht längst verzweifelt. Denn innerlich zerfrisst es die junge Frau, die sich schon immer minderwertig und ausgeschlossen fühlte. Dann kommt die Einladung zu einem Klassentreffen, danach sieht sich Lena mit anderen Augen. Wer kennt nicht das Gefühl, den Ansprüchen nicht zu genügen und eine Randfigur zu sein? Keller beschreibt diese Empfindungen so einfühlsam, dass man sich in Jugendzeiten zurückversetzt fühlt.

Pauline Keller: Die Luft da oben | Bod | 8,99 Euro