Inspiration

Mehr Mehlems bitte!

Die Saisonpause ist von außen betrachtet die langweiligste Phase im Fußballjahr. Es ist die Zeit zum Durchatmen, zum Abstand gewinnen, zum Akku aufladen. Für die Verantwortlichen des SV Darmstadt 98 geht die Arbeit nach dem letzten Spiel aber erst richtig los. Die Saison, vor allem eine solch durchwachsene wie die letzte, muss intensiv analysiert werden. Und die Weichen für die neue Spielzeit müssen frühzeitig gestellt werden. Den Lilien bietet sich in diesem Sommer die Chance, sich mit einem leichten Kurswechsel dauerhaft in der zweithöchsten Spielklasse zu etablieren.

In der vergangenen Saison standen die Darmstädter die ganze Rückrunde über mit dem Rücken zur Wand. Es ging darum, irgendwie den Absturz in die 3. Liga zu verhindern. Experimente waren fehl am Platz. Wirklich entwickeln konnte man auch nichts. Das kann man jetzt nachholen. Dirk Schuster war der erste aller Zweitligatrainer, der sein Team in diesem Sommer zum Trainingsauftakt zusammenrief. Fast sieben Wochen hat er mit seinem Trainerteam Zeit, der Mannschaft neben der bereits demonstrierten defensiven Stabilität auch wieder eine offensive Spielidee einzuimpfen. Die technisch versierten Spieler für ein ballbesitzreicheres und mutigeres Spiel bietet der Kader der Lilien allemal.

Einen noch wichtigeren Strategiewechsel könnten die Darmstädter in Sachen Transferpolitik vornehmen. In der vergangenen Saison standen mit Marvin Mehlem und Felix Platte nur zwei Spieler unter 25 Jahren in mehr als der Hälfte der Spiele auf dem Platz. Ein deutlicher Fingerzeig, dass den Lilien bei Neuzugängen in den vergangenen Jahren vor allem das Merkmal Erfahrung sehr wichtig war. Das ist an sich nicht schlecht. Eine etwas gesündere Mischung aus der Erfahrung älterer und der Unbekümmertheit jüngerer Spieler würde aber auch nicht schaden. Mit den langjährigen Lilienprofis Aytac Sulu, Fabian Holland und Tobias Kempe sowie dem hoffentlich in Darmstadt bleibenden Daniel Heuer Fernandes hat man ein Gerüst aus bewährten Kräften, um die sich eine schlagkräftige Mannschaft bauen lässt. Dass Spieler mit recht großen Namen wie Steinhöfer und Rosenthal keine Verträge mehr erhalten und sich auch Sobiech und Großkreutz einen neuen Verein suchen können, ist der erste richtige Schritt und macht Platz für jüngere Spieler. Die haben die große Karriere einerseits noch vor sich und sind entwicklungsfähig, bieten andererseits auch die Chance, bei späteren Weiterverkäufen Transfergewinne in die Lilienkasse zu spülen. So könnte man sich finanziell weiter konsolidieren und gleichzeitig wettbewerbsfähiger werden.

Eine neue Saison bietet immer die Möglichkeit, etwas zu ändern. Und dass sich nach der schwachen vergangenen Spielzeit etwas ändern muss, ist den Verantwortlichen der Lilien sicher bewusst. Marvin Mehlem kannten vor seiner Verpflichtung nur Insider, jetzt ist er wohl das hoffnungsvollste Talent im Lilien-Kader. Es wäre schön, wenn er kein Einzelfall bleiben würde.