Inspiration

Männerwirtschaft im zwölften Stockwerk

Christian Klischat, Robert Lang, Florian Federl, Hans Weicker, Aart Veder, Stefan Schuster. Foto: Robert Schittko.

„Ein seltsames Paar“ im Staatstheater

Wahre Freundschaft gibt es nur unter Männern, heißt es. Sie soll nicht viele, aber einige Facetten haben: Sport, Spiel und Schweigen. Auf der Bühne des Kleines Hauses im Darmstädter Staatstheater kann man ein paar Facetten wahrer Männerfreundschaft erleben und sich dabei amüsieren.

Oscar Madison (Christian Klischat) meldet sich am Telefon mit „Oscar, geschieden, pleite und schlampig“ und beschreibt damit ziemlich genau seine Situation. Der zigarrenqualmende Speed (Aart Veder), der stets korrekte Steuerberater Roy (Hans Weicker), der immerzu verschwitzte Polizist Murray (Florian Federl), der brave Vinnie (Robert Lang) und der in seiner Ehe so glückliche Felix (Stefan Schuster) treffen sich einmal in der Woche im verwahrlosten Appartement in einem New Yorker Hochhaus im 12. Stock des erfolgreichen Sportjournalisten Oscar.

Requisiteur Daniel Majer konnte bei der Ausstattung der Bühne aus dem Vollen schöpfen: auf dem papierbeladenen Schreibtisch steht ein Mickey-Mouse-Telefon, ein alter Plastik-Weihnachtsbaum gammelt in der Ecke, die Jalousien hängen demoliert an den Fenstern, eine angefaulte Banane liegt mitten im Zimmer, der von Wäsche überquellende Korb steht auf der Couch und eine traurige Zimmerpflanze wartet in der Bodenvase aufs Vertrocknen.

Mitten hinein in dieses Chaos platzt Felix, verzweifelt, jammernd und dem Selbstmord nahe, denn seine Frau hat ihn vor die Tür gesetzt. Und wie das bei echten Männerfreundschaften ist, bietet Oscar ihm sein Appartement als Unterschlupf an. Nicht ohne Folgen, denn Felix ist nicht nur pedantisch und ordnungsliebend, sondern auch hypochondrisch. Er leidet unter Magenschmerzen, hat es im Kreuz, einen Nervenkrampf im Nacken, hat Atemnot, eine Schleimbeutelentzündung im Ellbogen und versucht mit einem nervig-nasalen „Nang, nang“ die verstopfte Stirnhöhle zu befreien. Felix kompensiert seinen Liebeskummer mit seinem ausgeprägten Putzfimmel: Aus dem verlotterten Appartement macht er in kürzester Zeit eine klinisch reine und staubfreie Musterwohnung. Da herrschen nun Untersetzer für Gläser, es gibt eisgekühlte Getränke, das Raumspray vertreibt üblen Zigarrengeruch, auf dem Servierwägelchen werden entkrustete Sandwiches angeboten. Als die Pokerrunde dann auch noch mit desinfizierten Karten spielen soll, droht sie auseinander zu brechen.

Karin Klein, Gabriele Drechsel, Stefan Schuster. Foto: Robert Schittko

Mit Damenbesuch aus der Nachbarschaft versucht Oscar seinen Mitbewohner von seinen Schrulligkeiten abzulenken und lädt die Schwestern Gwendolin (Gabriele Drechsel) und Cecily (Karin Klein) ein. Mit herrlichen Slapstick Einlagen bereichert das Damen-Duo die Szene. Cecil stolpert schielend über die Bühne, Gwendolin kichert über jeden angebotenen Witz immer ein wenig zu laut.

Felix versucht sich an netter, belangloser Konversation und schafft es in kürzester Zeit, aus den fröhlichen Nachbarinnen zwei Trauerklöße zu machen.

Das ist zu viel für Oscar. Er schmettert einen Teller Nudeln an die Wand und wirft Felix hochkant raus. Nun ist er wieder Herr in seinem Appartement, die Pokerrunde trifft sich wie gewohnt. Doch das schlechte Gewissen und die Sorge um Felix drückt die Stimmung erheblich. Als Cecily schließlich Felix Sachen holt und damit klar ist, dass er bei den beiden Schwestern gut untergekommen ist, naht nach eineinhalb amüsanten Stunden das Happy End im Kleinen Haus.

Oscar und Felix schließen Frieden, denn „Wenn auch die Ehe zerbricht, die Pokerrunde nicht“, und überhaupt gibt es wahre Freundschaft schließlich nur unter Männern.

Regisseurin Iris Stromberger hat sich weitestgehend an die bekannte Vorlage des Filmklassikers mit Walter Matthau und Jack Lemmon gehalten und viele Gags übernommen. Das trägt zur Erheiterung des Publikums bei, schließlich folgt langanhaltender Beifall nach anderthalb Stunden gelungener Unterhaltung.

Sandra Russo