Inspiration

Kommunikative Mülltonnen

Die gemeine Hausmülltonne. Mal ist sie brechend voll und dufttechnisch hart an der Grenze des noch Erträglichen, aber dafür weit und breit kein Müllwagen in Sicht. Ein andermal fragt man sich, was der LKW mit den sportlichen Männern in Orange da in aller Herrgottsfrühe eigentlich leeren will. Ist ja quasi nichts drin in der Tonne. Sie kennen das Problem. Eines, das so richtig digitale Städte übrigens nicht mehr haben.

Liebe Leserinnen, liebe Leser,
ich lade Sie herzlich ein, mit mir Darmstadts digitale Seite zu entdecken und besser zu verstehen, was zwischen Bits & Bytes in unserer Heimatstadt so alles passiert. Als Informatikprofessorin, Wissenskabarettistin und Digital-optimistin sehe ich vor allem die Chancen der Digitalisierung, habe aber eventuelle Risiken und Nebenwirkungen immer fest im Blick. Übrigens erkläre ich das eine oder andere Digitale auch in Wort und Ton. Wenn Sie mögen, dann schauen Sie doch auch mal hier vorbei:
www.digitaloptimismus.de

Vermutlich ist es bei Ihnen zuhause ebenso wie bei uns: wenn der Mülleimer voll ist, dann wird’s Zeit ihn zu leeren. Feste Pläne, die beispielsweise vorgeben, dass der Müll montags um 7:36 Uhr herunter zu tragen sei, egal wie voll der Eimer ist, gibt es bei uns nicht. Wäre ja auch blöd.
Stellen Sie sich mal vor, der Eimer ist nur zu einem Drittel gefüllt, aber weil Montag ist, wird er gleich nach dem Aufstehen und noch vor dem ersten Kaffee runtergebracht. Klassischer Fall von Ressourcenverschwendung. In diesem Fall von Manpower, wie es Neu-Deutsch so schön heißt. Also quasi Arbeitszeit, die mein Mann stattdessen wunderbar mit Staubsaugen verbringen könnte.
Dass die Geschichte mit dem Müll irgendwie ökonomischer und gleichzeitig auch ökologischer zu lösen sein müsste, dachte sich auch Santander, eine Stadt in Nordspanien, die sich seit 2010 sehr erfolgreich mit dem Thema „Smart City“ bzw. Digitalstadt beschäftigt. Wenn die städtische Müllabfuhr zu halbleeren Tonnen fuhr, dann wurde ordentlich Geld zum Fenster herausgeworfen, nämlich für den Müllwagen, das Personal und die benötigten Betriebsmittel wie Benzin, um nur mal ein paar Aspekte zu nennen. Umgekehrt stapelte sich – in spanischen Städten keine Seltenheit – auch gerne mal nicht abgeholter Unrat auf der Straße, wenn die Müllabfuhr auf sich warten ließ. Also wurden Mülltonnen mit Sensoren ausgestattet, die den Füllstand der jeweiligen Tonne registrieren und an eine zentrale Leitstelle weitergeben. Unnötige Fahrten fielen fortan weg, nötige wurden bedarfsgerecht eingeschoben. Ein Erfolgskonzept bis heute, das die Stadtkasse entlastet und die Einwohner freut. Auch die Umwelt profitiert. Denn weil die Müllabfuhr nur dann ausrückt, wenn es auch tatsächlich Müll abzuholen gibt, wird weniger CO2 ausgestoßen.

Müll goes social

Solche smarten Mülltonnen, die es mittlerweile in verschiedenen Städten gibt, kommunizieren in der Regel über Sensoren. Es gibt aber auch solche, die im Bedarfsfalle automatisierte „Ich-möchte-geleert-werden“-Emails an die Leitstelle versenden oder mittels des Kurznachrichtendiensts mit dem blauen Vögelchen gleich die ganze Welt darüber informieren, dass sie bald voll sind. Am 13.08.2017, 8 Uhr twitterte beispielsweise die Amsterdamer Mülltonne mit der Nummer 100420100043533, dass sie zu 64 Prozent voll sei. Müll via Twitter. In Zeiten von Trump & Co. ja nichts Neues. Ach ja, und falls sie bei der mit dem Internet verbundenen Tonne in Amsterdam mal vorbeischauen möchten… haben Sie keine Angst. Der finnische Hersteller versichert, dass weder Ihre Ortungs- noch andere Smartphone-Daten währenddessen abgegriffen und Sie demzufolge auch nicht aufgefordert würden, die Tonne zu leeren.