Inspiration

„Ich würde mit Spaß reingehen“

Baris Atik ist für die Rückrunde von Hoffenheim an die Lilien ausgeliehen. Der Deutsch-Türke ist ein echter Straßenfußballer, hat sein Potenzial in seiner noch jungen Karriere schon oft angedeutet und könnte im Saisonendspurt noch eine wichtige Rolle spielen. Im VORHANG AUF-Interview spricht der offensive Mittelfeldspieler über unter anderem über den Druck als Profi und seine Rolle im modernen Fußball.

PK: Du bist im Winter auf Leihbasis zu den Lilien gewechselt, warst aber eigentlich noch bis Saisonende an Kaiserslautern ausgeliehen. Wie kam es dazu?

BA: Es hat in Lautern nicht so gepasst, wie es sich beide Seiten vorgestellt hatten. Deswegen bin ich jetzt hier und bin glücklich darüber.

PK: Du bist jetzt innerhalb eines Jahres schon das dritte Mal ausgeliehen. Geht der Wunsch ausgeliehen zu werden eher von dir oder von deinem Verein Hoffenheim aus?

BA: Ich denke, das kommt von beiden Seiten. Hoffenheim möchte natürlich, dass sich die Spieler entwickeln und mehr spielen. Und das will auch der Spieler selbst. Ich will natürlich nicht nur auf der Bank sitzen und nur trainieren, ich will auch Spielpraxis und Erfahrung sammeln, deswegen profitieren beide Seiten davon.

PK: Wie hast du dich bisher hier eingelebt, im Verein und auch in der Stadt?

BA: In der Innenstadt war ich noch nicht so oft, vielleicht ein oder zwei Mal. Hier im Verein ist es super, es macht sehr viel Spaß. Alles ist familiär und klein, jeder ist mit Herz dabei. Ich wurde super aufgenommen und es gefällt mir gut hier.

PK: Gibt es in der Freizeit bestimmte Dinge, die du neben dem Fußball gerne machst?

BA: In der Freizeit macht denke ich jeder Profi noch etwas neben dem Fußball (lächelt). Ich mache gerne etwas mit meiner Freundin oder meinen Freunden, auch mal ein paar andere Sportarten, zum Beispiel Basketball spielen. Auch wenn das etwas lustig ist mit meiner Größe (lacht).

PK: Du bist ein echter Straßenfußballer, hattest in deiner Kindheit sogar eine eigene Straßenmannschaft. Wie lief das ab?

BA: Ich bin in Mörsch aufgewachsen, dort gab es viele Wohnblöcke mit vielen Kindern, die sich alle für Fußball interessiert haben. Wir wussten, dass es in den anderen Orten und in der Stadt auch Straßenmannschaften gab. Und dann dachten wir uns, gegen die treten wir an. Jeder hat dann was in den Topf eingezahlt und der Gewinner des Turniers hat das Geld bekommen.

PK: Hast du dir auch Tricks auf Videos angeschaut und sie auf dem Bolzplatz geübt, wie andere Straßenfußballer wie etwa Ibrahimovic?

BA: Ja, ich habe mir Videos von Ronaldinho angeschaut. Sobald ich draußen war, habe ich versucht, zu üben. Es hat mir einfach Spaß gemacht, ihm zuzuschauen. Ich wollte schon immer so spielen wie er.

PK: Du bist wahrscheinlich auch deswegen ein technisch sehr starker Spieler. Findest du es ein bisschen schade, dass im heutigen Fußball immer mehr Wert auf Pressing und Defensivarbeit gelegt wird und ein Spielertyp wie du vor zehn Jahren vielleicht noch etwas besser zur Geltung gekommen wäre?

BA: Ich finde es super, dass es so etwas wie Pressing und Defensivarbeit gibt, das gehört zum Fußball dazu. Technische Spieler gibt es ja heute immer noch, aber die haben sich auch entwickelt. Und so sehe ich mich auch, ich habe mich auch entwickelt und mache das, was die Trainer wollen. Klar, vor zehn, zwanzig Jahren gab es so was wie Pressing noch nicht in dieser Form, aber heute sind die Fußballer athletischer und da musst du mit solchen Sachen arbeiten.

PK: Du wurdest mit der Hoffenheimer A-Jugend Deutscher Meister unter Julian Nagelsmann. Mit welchen Erinnerungen denkst du an diese Zeit zurück und was konntest du von ihm als Trainer mitnehmen?

BA: Natürlich ist es ein tolles Gefühl, wenn du Deutscher A-Jugend Meister wirst, das erreichen nicht viele. Dann habe ich im Finale noch ein Tor gemacht, das war super. Julian Nagelsmann gehört mit Abstand zu den einflussreichsten Trainern, die ich hatte. Er hat mir geholfen, in den Profikader zu kommen und ich habe viel von ihm gelernt. Falls es wieder zu einer Zusammenarbeit kommt, bin ich sicher, dass ich noch viel mehr von ihm lernen kann. Er ist ein Weltklasse-Trainer, der sehr viel Fußballwissen hat. Es macht einfach Spaß, unter ihm zu trainieren.

PK: Du hast wahrscheinlich auch vom Interview von Per Mertesacker gehört, der über den Druck im Profifußball gesprochen hat. Wie gehst du damit um?

BA: Jeder Spieler ist anders. Natürlich spüre ich auch Druck, aber so, wie es Mertesacker beschreibt, habe ich es nie wahrgenommen. Jeder Fußballer arbeitet daraufhin, mal solche großen Spiele zu spielen. Und wenn ich dann nicht auf den Druck vorbereitet bin, ist es sicherlich schwierig. Ich persönlich würde mit Spaß reingehen. Ich bin da ein anderer Typ. Ich würde mich auf solche Spiele freuen, für die man jahrelang übt und trainiert.

PK: Zur aktuellen sportlichen Situation der Lilien: Warum schafft ihr den Klassenerhalt noch?

BA: Wir arbeiten alle hart im Training und sind fokussiert, die Spiele gut anzugehen. Die letzten Spiele haben wir gut gespielt und ich glaube daran, dass wir es schaffen. Der Trainer gibt uns immer einen guten Plan mit, wir werden den weiter verfolgen und am Ende bin ich zuversichtlich, dass wir es schaffen werden.

PK: Weißt du schon, wie es im Sommer bei dir weitergeht?

BA: Das weiß ich noch nicht. Ich bin für den Fußball zuständig, den Rest macht mein Berater (lächelt).PK: Ist ein Verbleib in Darmstadt über den Sommer hinaus möglich?

BA: Aktuell zählen nur die verbleibenden sieben Spiele. Zur Zukunft kann ich im Moment noch nichts sagen.

PK: Danke für das Gespräch und alles Gute für den Saisonendspurt.