Inspiration

Hier schlägt das Herz des Vereins

Roger Menzer (42 Jahre) führt seit 2011 die „Lilienschänke“ am Stadion am Böllenfalltor – und das mit Herz und Engagement. Der Familienvater ist leidenschaftlicher Fußball-Anhänger. Das Lilien-Gen hat er von seinem Vater Ewald Menzer, der viele Jahre lang die Lilien in verschiedenen Ligen betreute.

Sandra Russo (SR): Roger, keiner ist so nah am Stadion wie Du mit Deiner Schänke. Was waren für Dich in den vergangenen Jahren die Höhepunkte – und was musst Du nicht mehr haben?

Roger Menzer (RM): Die Höhepunkte aus Sicht der Lilienschänke SportsBar ist mit Sicherheit die eigene Entwicklung. Wir sind inzwischen ein sehr bekanntes und beliebtes Restaurant geworden, dies macht uns natürlich sehr stolz. Wir entwickeln uns immer weiter und investieren viel in die Zukunft. Ob Biergarten, klimatisierte Räume oder modernste Küchenausstattung. Man bekommt in diesen Zeiten nichts geschenkt und muss sich immer wieder neu erfinden. Wir haben, glaube ich, einen guten Spagat zwischen Kult-Kneipe und Restaurant hinbekommen. Dies sieht man auch an unserer Gästestruktur. Die Anzahl der Lilienfans ist unter der Woche und an Nicht-Spieltagen überschaubar. Gäste aller Altersklassen und Schichten besuchen uns. Bei Heimspielen ist die „Schänke“ dann in ihrem Element und bekanntermaßen Anlaufstelle vieler Lilienfans.
Sportlich bleibt natürlich die Nacht nach dem Bielefeld-Spiel in Erinnerung, als wir, die Fans und die Mannschaft, bis mittags zusammen in der Lilienschänke feuchtfröhlich gefeiert haben.
Auch das St.Pauli-Spiel zum Aufstieg in die Bundesliga war sehr emotional und hat die Lilienschänke das ein oder andere Mal an ihre Grenzen gebracht.
Der eigentliche Höhepunkt ist aber die Sicht auf den Flutlichtmast von unserem Biergarten aus. Fussballherz was willst Du mehr!
Negatives gibt es eigentlich nicht so vieles zu berichten, bis auf den Einbruch in der ersten Woche nach der Eröffnung im Juli 2011. Das war schon ein großer Schock damals. Alle Fernseher, sowie technische Geräte wurden in der Nacht nach der Eröffnung gestohlen, die Täter leider nie ermittelt. So etwas braucht man nicht wieder!
Auch einen Polizei-Schutz wie in der Woche vor dem Eintracht Spiel muss ich nicht wieder haben.

SR: Die lange währenden Diskussionen um den Stadion-Standort können Dich als Wirt der „Lilienschänke“ nicht kalt lassen. Wie ist Deine Haltung zum Thema?

RM: Als erstes muss ich dazu sagen, dass ich schon lange bevor ich die Lilienschänke betrieben habe, in diversen Arbeitskreisen zum Thema Stadion vertreten war. Gerade bei der Initiative „Neues Bölle“ war ich sehr aktiv dabei.
Eigentlich müsste ich ja beim Thema Stadion sehr nervös sein, bin ich aber nicht. Mich wundert es nur, dass gerade jene Personen das Ende des Vereins am jetzigen Standort sehen, die vor drei Jahre noch „Hurra“ gerufen haben, als es darum ging, dass unser „Bölle“ umgebaut wird.
Ich sehe hier oben am „Bölle“ unsere Identität, hier schlägt das Herz des Vereins. Hier wurden unbeschreibliche Geschichten geschrieben. Die Lilien sind das „Bölle“ und das „Bölle“ die Lilien. Ich sehe daher einen Umbau im Bestand als die richtige Lösung, wir erhalten uns damit unsere Seele. Umbau im Bestand bedeutet ja nicht, dass alle Wünsche und Vorgaben nach Modernisierung außen vor bleiben. Es wird Logen und auch moderne Funktionsräume geben. Daher halte ich die Wirtschaftlichkeit am Bölle als gegeben, aber dies ist auch nur meine persönliche Meinung.
Aber auch mit einem Umzug an einen anderen Standort kann ich natürlich leben. Ich denke, eine „Lilienschänke“ wird es auch dort geben.

SR: Was wünschst Du Dir als Wirt der „Lilienschänke“ vom Verein, was wünschst Du Dir von der Stadt – und was von Deinen Gästen?

RM: Als Wirt der Lilienschänke, so denkt man, man müsse doch eigentlich glücklich und zufrieden sein. Immer zufrieden war ich leider nicht und schon gar nicht glücklich.
Ich bin ein sehr emotionaler Mensch und natürlich wünscht man sich aus Sicht eines Vereinswirtes mehr Nähe des Vereins.
Dies war in der vergangenen Saison leider nicht immer so. Aus verschiedensten Gründen.
Wir hoffen, dies wird in der neuen Saison wieder anders und der Verein und die Lilienschänke SportsBar werden wieder das gute Team, dass wir auch in der Vergangenheit waren. Ich bin da sehr zuversichtlich, schließlich gibt es eine klare Statistik die besagt, desto häufiger die Mannschaft pro Saison in die Lilienschänke vor ihrem Auswärtsspielen zum Essen gekommen ist, desto mehr Auswärtspunkte haben sie geholt (grinst).
Was ich mir von meinen Gästen wünsche? Als Wirt wünscht man sich immer glückliche und zufriedene, vor allem satte Gäste. Wir legen sehr viel Wert auf Frische und die Zubereitung der Speisen. Wir bereiten die Speisen erst nach Bestellung zu, dies dauert natürlich seine Zeit. Leider ist nicht jeder Gast bereit für diese Frische auch längere Wartezeiten in Kauf zu nehmen, hier wünsche ich mir mehr Verständnis, gerade wenn es mal wieder etwas voller ist. Generell haben wir in der Lilienschänke SportsBar festgestellt, dass immer mehr den Schlemmerblock bevorzugen, wir begrüßen diese Gäste sehr gerne, freuen uns dabei über Gäste, die sonst den Weg zu uns vermutlich nicht finden würden. Aber auch hier sollte beachtet werden, der Schlemmerblock sollte zu Testzwecken und nicht als „Geiz ist geil“ gesehen werden, auch hier wünschen wir uns etwas mehr Fairness dem Gastronomen gegenüber. Wir zahlen das zweite Essen gerne zu Werbezwecken, nicht aber als Subvention.

SR: Welcher Lilien-Spieler hat Dich in den vergangenen Jahren am meisten beeindruckt – wer hat Dich enttäuscht?

RM: Ich bin von allen Spielern beeindruckt, ich bin ja schließlich ein Fan :-). Es ist schon ein gutes Gefühl, wenn eine Bundesliga-Mannschaft zu Dir zum Essen kommt und Du ein kleines Schwätzchen halten kannst. Mich persönlich haben aber viele Spieler beeindruckt, einige Spieler sind sogar zu Freunden geworden. Das Trainerteam mit Dirk Schuster und Sascha Franz waren sehr oft hier und wir haben uns sehr gut verstanden. Ihre Arbeit und die Identifikation mit dem Verein,  sowie den Mix aus Lockerheit  und Professionalität, haben mich sehr beeindruckt.
Aus sportlicher Sicht war die Verpflichtung von Altintop schon überragend, er ist ein sehr korrekter und feiner Mensch. Auf Kevin Großkreuz freue ich mich aber jetzt auch besonders.
Enttäuscht hat mich damals unser Trainer Kosta Runjaic, von dem ich viel gehalten habe. Einen Tag vor seiner Unterschrift in Duisburg hat er in der Lilienschänke noch eine Rede gehalten und einen Wechsel ausgeschlossen, dies hat mich persönlich sehr getroffen. Auch das Thema Ben Hatira hat mich sehr enttäuscht, nicht er als Person, sondern die Personen die sich rund um dieses Thema geäußert haben, so etwas gehört nicht zum Fußball.

SR: Dein Wunsch an das Team von Torsten Frings für die kommende Saison?

RM: Ich wünsche mir von der Mannschaft, dass sie sportlich alles gibt und wir eine erfolgreiche Saison spielen werden. Wie man Auswärtspunkte holt, wissen sie ja nun. Meine Küche steht jederzeit bereit (lacht).

SR: Vielen Dank Roger für das Gespräch.