Inspiration

Grenzerfahrungen in Alaska

Dave Eggers‘  Roman über eine Mutter mit zwei Kindern, die im klapprigen Wohnmobil auf der Flucht vor ihrem verkorksten Leben durch Alaska kurvt, ist große Literatur mit Mega-Unterhaltungswert.

Einer Patientin muss sie eine Millionenentschädigung zahlen, weil sie angeblich einen Tumor in der Mundhöhle übersehen hat, ihr Expartner will ihr die Kinder wegnehmen und auch sonst steckt Josies Leben in einer Sackgasse. Wie sie ihren Karren aus dem Dreck zieht, weiß die 42-jährige Zahnärztin nicht. Nur eines: Sie will raus. Also schnappt sich Josie ihre Kinder, 5 und 8 Jahre, und bricht Richtung alaskische Grenze auf. Dort mietet sie ein schrottreifes Wohnmobil und fährt aufs Geratewohl los in die Weiten Alaskas. Kreuz und quer durch raue Ödnis und tiefe Wälder tourt das Dreiergespann. Dabei treffen sie auf seltsame Einheimische, brechen in Ferienhäuser ein, campen wild und Josie hat eine kleine Sexaffäre. Die Fahrt läuft aus dem Ruder, als das Geld knapp und Josie bewusst wird, dass sie nicht weiß, wie es weitergehen kann. In diesem grandiosen Buch geht es um die Frage, wie viel Freiheit sich eine Mutter erlauben darf, und ob der Ausbruch aus einem geordneten Leben überhaupt möglich ist. Eggers, einer der wichtigsten Intellektuellen Amerikas, verpackt das in einen Road-Trip, bei dem die Kinder eine besondere Rolle spielen: Sie sind es, die beweisen, dass Chaos eine Bereicherung sein und man mit seinen Aufgaben über sich hinauswachsen kann.

Dave Eggers: Bis an die Grenze | Kiepenheuer & Witsch |  23 Euro