Inspiration

„Es geht immer weiter“

Michael Stegmayer beendete im Sommer 2016 seine aktive Laufbahn als Spieler und ist seitdem als Teammanager bei den Lilien unterwegs.

Im Interview mit VORHANG AUF erzählt Stegmayer unter anderem, wie seine Aufgaben aussehen, warum er bei den Waldläufen mitmacht und was das Highlight seiner bisherigen Lilienzeit war.

PK: Du bist jetzt seit fast zwei Jahren Teammanager beim SV 98. Wie blickst du auf die bisherige Zeit zurück und macht es so viel Spaß, wie als Spieler?

MS: Es ist natürlich etwas ganz anderes. Es macht auch sehr viel Spaß, aber natürlich kann man die Zeit als Fußballer mit nichts vergleichen. Das war immer mein Hobby und meine große Leidenschaft und ist es immer noch. Von daher war es das schönste, als Beruf Fußball zu spielen. Die knapp zwei Jahre als Teammanager waren ein Auf und Ab. Was den sportlichen Erfolg angeht, war es keine so angenehme, aber trotzdem eine sehr lehrreiche Zeit, in der ich sehr viel mitgenommen habe. Also insgesamt für mich persönlich trotz der Misserfolge eine sehr schöne Zeit.

PK: Wie sieht dein genauer Aufgabenbereich aus?

MS: Grundsätzlich ist es die komplette Organisation des Trainings- und Spielbetriebs. Die Organisation um die Mannschaft herum, Schnittstelle zwischen Mannschaft und Trainerteam und auch der Geschäftsstelle. Die ganze Koordination, damit da alles läuft. Darüber hinaus auch Teilaufgaben in der Kaderplanung, gemeinsam mit dem Trainer- und Scouting-Team.

PK: Aktuell gibt es bei den Lilien ja keinen Sportdirektor. Die Kaderplanung hast du bereits angesprochen. Bist du auch in die Trainersuche eingebunden?

MS: Diese Aufgaben sind nicht die klassischen Teammanageraufgaben, aber da wir bei uns im Verein wenig Personal haben, habe ich da auch gewisse Aufgaben übernommen, war bei der Trainersuche mit dabei, bin bei der Kaderplanung voll integriert. Weil es eben keine Sportdirektor gibt, ist das alles auf mehrere Schultern verteilt. Das ist natürlich eine super Erfahrung für mich.

PK: Ist diese Funktion etwas, was dich auch langfristig interessieren würde? Oder würdest du eher in den Trainerbereich gehen wollen?

MS: Es ist schon ein Bereich, der mir sehr viel Spaß macht. Ich glaube, dass mich das Trainergeschäft aktuell nicht so reizt. Also eher der Bereich Management, wie jetzt als Teammanager oder eventuell mal als Sportdirektor, das interessiert mich sehr und ist so die Sache, mit der ich mich gerne beschäftige und auch meine Zukunft sehe.

PK: Dein Vertrag hier in Darmstadt läuft bis 2019. Kannst du dir auch vorstellen, darüber hinaus hierzubleiben?

MS: Auf jeden Fall. Man weiß natürlich nie, was die Zukunft bringt, deswegen kann ich da jetzt keinen großen Ausblick geben. Aber ich habe hier in Darmstadt die schönste Zeit meiner Karriere erlebt und fühle mich mit meiner Familie hier sehr heimisch. Der Verein ist nicht einfach nur ein Arbeitgeber für mich, da hängt auch das Herz sehr dran. Von daher kann ich mir auf jeden Fall eine lange Zukunft hier vorstellen.

PK: Du hast im Wintertrainingslager hin und wieder mit der Mannschaft trainiert. Bist du von der Fitness her noch voll im Saft oder hast du die anstrengenden Läufe eher ausgelassen?

MS: Die Waldläufe sind genau das, was ich noch kann (lacht). Ich versuche schon noch, regelmäßig Sport zu machen. Seien es Waldläufe oder im Kraftraum. Das Interessante ist, als Fußballprofi mag man es überhaupt nicht, zu laufen, aber wenn die Karriere vorbei ist geht man auf einmal freiwillig und mit Freude in den Wald laufen, das mache ich jetzt seit eineinhalb Jahren. Ich bin denke ich schon noch recht fit, aber es ist natürlich schon nochmal was anderes, mit den Jungs auf dem Platz zu stehen. Ich glaube es wäre auch schlimm, wenn ich als Teammanager noch voll mithalten könnte. Dann sollten sich ein paar Jungs mal Gedanken machen (lacht).

PK: Bekommst du da nochmal eine andere Sicht und kannst anders auf die Spieler einwirken, wenn du anstatt am Spielfeldrand im Training mittendrin bist?

MS: Ja, das ist sehr interessant. Wenn man am Trainingsplatz oder am Spielfeldrand steht hat man die Sicht von außen, aber wenn dann mal mittrainiert und bei ein paar Spielformen mitmacht und noch die ein oder andere Kommunikation von den Jungs auf dem Platz mitbekommt, dann kann man da schon nochmal etwas darauf einwirken und erkennt manche Dinge anders und einen Tick besser.

PK: Du bist vom Typ her ein echter Teamplayer, sowohl als Spieler als auch jetzt als Manager. Wie vermittelst du denn in deiner Position den Teamgedanken?

MS: In erster Linie versuche ich einfach, authentisch und echt zu sein. Nur so kann man das Vertrauen der Jungs erhalten, das ist erstmal der wichtigste Punkt. Darüber hinaus versuche ich natürlich gerade beim Funktionsteam, also Betreuer, Physios etc., darauf zu achten, dass alle als Einheit auftreten. Da kann ich auch ganz gut einwirken, weil es nicht so viele Leute sind. Und dann führe ich eben sehr viele Gespräche mit Spielern. Ich bin ja auch sehr nah an der Mannschaft dran, nah an der Kabine, sodass ich eigentlich täglich mit zwei bis drei Spielern sprechen kann. Und wenn mal zur Sprache kommt, wie die Geschichte hier gelaufen ist, versuche ich daraufhin zu weisen, dass es damals wie heute nur über den Teamgeist ging. Das versuche ich denn Jungs zu vermitteln.

PK: Du bist ja insgesamt schon seit 2012 hier beim SV Darmstadt, hast in der Zeit sehr viele Auf und Abs miterlebt. Mit welchen Gefühlen blickst du auf diese Zeit zurück und gab es ein Highlight?

MS: Der Start war natürlich sehr schwierig mit dem sportlichen Abstieg, wo es in der Anfangsphase auch einige Trainerwechsel gab. Aber dann kam dieser Turnaround und dann ging es nach oben. Das Highlight war natürlich das Relegationsspiel in Bielefeld, das werde ich nie vergessen. Das sind Momente, die bleiben für die Ewigkeit.

PK: Die aktuelle sportliche Situation ist sehr schwierig. Du hast schon gesagt, dass du viele Gespräche führst. Machst du sonst noch etwas Spezielles, um wieder Vertrauen zu vermitteln?

MS: Nach den Spielen sind die Jungs natürlich genau wie wir alle im Verein sehr geknickt und grübeln. Da ist die Aufgabe von mir und allen drum herum, ein paar Stunden später den Kopf wieder nach oben zu nehmen und nach vorne zu schauen. Die Ruhe zu bewahren, den Jungs positiv zuzureden und eine positive Ausstrahlung zu behalten. Es bringt nichts, wenn die Jungs eh schon schlecht drauf sind und mit hängendem Kopf rumlaufen, dass ich als Teammanager dann noch draufhaue. Meine Aufgabe ist ganz klar, den Kopf oben zu behalten und den Jungs das Gefühl zu geben, dass trotz der Stresssituation eine Ruhe da ist. Und dafür zu sorgen, dass rund um das Team keine Störfeuer herrschen, sondern da alles in geordneten Bahnen läuft, weil gerade in solchen Misserfolgssituationen alle sehr sensibel sind. Und da muss ich dann natürlich darauf achten, dass das alles gut läuft.

PK: Mit dem geplanten Stadionneubau im Hinterkopf. Wie schwerwiegend wäre es, wenn es im Sommer wirklich in die dritte Liga gehen sollte? Auch in finanzieller Hinsicht?

MS: Da brauchen wir nicht drum rumreden, das wäre sportlich natürlich eine kleine Katastrophe, wenn es dazu kommen sollte, wovon ich nicht ausgehe. Es stehen große Projekte bevor, aber es geht immer weiter. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir die Klasse halten. Wenn es zum Worst Case kommen sollte, geht es trotzdem weiter. Und man hat ja auch gesehen, dass man hier im Verein auch in Misserfolgssituationen den Zusammenhalt hat. Dann muss man zusammenstehen und da wieder rauskommen. Aber ich sehe was die finanzielle Zukunft angeht keine große Gefahr.

PK:  Was macht dich denn optimistisch, dass es am Ende klappt?

MS: Gerade das letzte Spiel gegen Kaiserslautern macht mich sehr optimistisch. Das einzige, was nicht gestimmt hat, war das Ergebnis. Wir haben dort eine kämpferisch und läuferisch sehr gute Leistung gezeigt, haben uns sehr viele Chancen herausgespielt und wenig zugelassen. Die wir zugelassen haben, hat Kaiserslautern genutzt, darum kam es am Ende zu dem für uns negativen Ergebnis. Ich sehe die Entwicklung in der Mannschaft, die Woche für Woche zusammensteht, die Jungs driften nicht auseinander. Ich bin davon überzeugt, dass der Knoten platz die nächsten Wochen. Wir werden sicher nicht in vier Wochen gerettet sein, das ist auch ganz klar, das wird bis zum Ende gehen. Aber ich bin der festen Überzeugung, dass wir in der Konstellation, mit dem Trainerteam, der Mannschaft und mit den Fans, dass wir da die Klasse halten werden.

PK: Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg für den Saisonendspurt.