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Englische Woche als Gradmesser

Nachdem man aus den ersten Saisonspielen der Lilien noch nicht wirklich schlau wurde, sollten die fünf Partien im September schon eher die Richtung zeigen, in die es für die Darmstädter in diesem Spieljahr gehen könnte. Getreu dem Motto „daheim gewinnen, auswärts nicht verlieren“ sind gegen schwere, aber größtenteils doch schlagbare Gegner zumindest so viele Punkte drin, dass man sich von der unteren Tabellenregion frühzeitig absetzen könnte.

Zum Monatsauftakt geht es zum unangenehmen Auswärtsspiel nach Heidenheim (So., 2.9., 13:30 Uhr). Seit mittlerweile vier Jahren ist der FCH Bestandteil der 2. Liga und geriet mit Ausnahme der letzten Saison nie wirklich in die Nähe der Abstiegsränge, was vor allem der Verdienst von Trainer Frank Schmidt und Kapitän Marc Schnatterer ist, die beide schon in der 4. Liga beim Klub beschäftigt waren und dem FCH bis heute treu geblieben sind.
Die Heidenheimer vereinen die klassischen Zweitligatugenden wie Standardstärke und Leidenschaft mit mittlerweile auch gepflegtem Fußball und sind in der heimischen Voith-Arena schwer zu schlagen.
Die letzten fünf Partien gegen die Lilien endeten allesamt unentschieden und zeigen, dass auch beim diesjährigen Aufeinandertreffen Kleinigkeiten den Ausschlag geben werden. Ein erneutes Remis wäre für die Darmstädter sicher ein Ergebnis, mit dem sie leben könnten.

Nach der Länderspielpause empfangen die Lilien den SV Sandhausen am Böllenfalltor (Sa., 15.9., 13 Uhr). Der SVS wird oft als Provinzklub belächelt, konnte in den letzten Jahren aber regelmäßig deutlich finanzstärkere Teams hinter sich lassen und nun seit sechs Jahren in der Liga halten. Ein Grund dafür ist Trainer Kenan Kocak, der seit zwei Jahren im Amt ist und den Klub trotz der Abgänge von Leistungsträgern zu einem soliden Zweitligaklub entwickelte. Mit WM-Teilnehmer Rurik Gislason aus Island haben die Sandhäuser sogar einen kleinen Star im Team.
Die ersten Saisonspiele lassen jedoch vermuten, dass es eine ganz schwere Saison für den SVS werden könnte, besonders in der Defensive zeigte man sich anfällig. Auch wenn der SV 98 durch die erschreckende Heimniederlage aus dem Vorjahr gewarnt sein sollte, ist ein Heimsieg in dieser Partie mehr als möglich.

Den Startschuss für die eng getaktete englische Woche mit drei Spielen in sechs Tagen macht das Auswärtsspiel in Dresden (Sa., 22.9., 13 Uhr). Aufgrund der famosen Unterstützung der Dynamo-Fans ist das Gastspiel in Sachsen für Spieler und Fans eines der Saisonhighlights. Auch sportlich müssen sich die Dresdner nicht verstecken. Shootingstar Moussa Kone und Lucas Röser sorgen in der Offensive für die nötige Variabilität, der Abgang von Niklas Hauptmann konnte mit dem ehemaligen Bundesligaprofi Patrick Ebert gut kompensiert werden. Die fehlende Konstanz war in der letzten Saison einer der Gründe, warum Dynamo letztlich nur auf Platz 14 landete. Die Qualität, um die Plätze im oberen Drittel mitspielen zu können, haben die Sachsen aber allemal. Es wird also in erster Linie von der Tagesform der Gastgeber abhängen, ob die Lilien im DDV-Stadion punkten können.

Drei Tage später ist Bielefeld in Darmstadt zu Gast (Di., 25.9., 18.30 Uhr). Für viele gilt die Arminia dieses Jahr als Geheimfavorit für den Relegationsrang, was sie in den ersten Saisonspielen durchaus bestätigen konnte. Schon in der Vorsaison landete das Team von Jeff Saibene auf einem starken vierten Platz. Mit Andreas Voglsammer, Rekordtorschütze Fabian Klos sowie Neuzugang Joan Simun Edmundsson hat der in den Vorjahren oft pragmatisch agierende DSC mittlerweile eine überdurchschnittliche Offensive und kann immer öfter auch spielerisch überzeugen. Auch in der Breite ist die Arminia zum Beispiel mit Ex-Lilien-Stürmer Sven Schipplock anständig aufgestellt.
Den Darmstädtern steht gegen Bielefeld also ein echter Test bevor, ein Punkt sollte am Böllenfalltor aber schon drin sein.

Erneut nur drei Tage danach sind die Lilien im hohen Norden in Kiel gefordert (Fr., 28.9., 18.30 Uhr). Obwohl die Störche im Sommer neben vielen Schlüsselspielern auch Erfolgstrainer Markus Anfang abgeben mussten, scheinen die Norddeutschen auch in ihrer zweiten Saison keineswegs nachzulassen. Der neue Coach Tim Walter arbeit ähnlich akribisch wie sein Vorgänger und versucht, offensiven Ballbesitzfußball mit hohem Pressing zu verbinden. In aller Munde ist derzeit Neuzugang Jae-Sung Lee aus Südkorea, der bei der WM gegen Deutschland in der Startelf stand und in den ersten Spielen schon Dreh- und Angelpunkt des Kieler Spiels war.
Auch wenn das Gastspiel beim Vorjahresdritten eine schwere Aufgabe wird, dürfte für den SV 98 trotzdem mindestens ein Punkt möglich sein, da die Spielweise der Lilien die Kieler vor allem im heimischen Stadion vor einige Probleme stellen dürfte.