Inspiration

Die Achse liefert

Im Fußball gibt es heutzutage nur noch selten eine feste Startelf. Die Spitzenteams rotieren aufgrund der zusätzlichen Belastungen unter der Woche und der Breite im Kader schon seit Jahren. Auch die etwas kleineren Mannschaften richten sich bei der Auswahl ihrer Startformation immer häufiger nach dem Gegner und dem ausgetüftelten Matchplan. Geprägt wurde diese Denkweise von Thomas Tuchel. Dirk Schuster zeigt allerdings, dass es auch noch anders funktionieren kann.

Man muss über zwei Jahre zurückgehen, um so etwas wie eine Achse in der Aufstellung der Lilien zu finden. Damals waren Mathenia, Sulu, Gondorf und Wagner die allzeit Gesetzten, die das Team von vorne bis hinten zusammenhielten und am Ende großen Anteil am Klassenerhalt in der Bundesliga hatten. Auch ansonsten wurde Woche für Woche meistens den gleichen Spielern das Vertrauen geschenkt, sodass sich eine Art Stammelf entwickeln konnte. Nicht für ungefähr hieß der Trainer auch zu jener Zeit schon Dirk Schuster.

Nach dem Erfolg 2016 verließ der Coach die Lilien allerdings Richtung Augsburg, woraufhin sich der SV98 auch aufgrund von personellem Aderlass gute zwei Jahre auf der Suche nach Konstanz befand. Die neuen Spieler konnten sich nur selten durchsetzen, die Leistungsträger gerieten außer Form. Dazu kamen schlechte Ergebnisse. Besonders auf der Sechser-Position und im Sturm wollten die Lilien-Trainer einfach nicht die richtige Lösung finden.
Schuster hatte in seiner zweiten Amtszeit ebenfalls Schwierigkeiten, tauschte auf der Stürmerposition immer wieder durch und fand auf der Sechs nicht wirklich die richtige Mischung aus Stabilität und spielerischer Klasse. Mit dem Beginn der aktuellen Spielzeit scheint das perfekte Gebilde aber mittlerweile gefunden.

Im Tor steht mit Heuer Fernandes der wahrscheinlich beste Keeper der Liga, davor bilden Sulu und Neuzugang Franke ein ganz starkes Duo, das mit seiner Kopfballstärke auch bei Offensiv-Standards immer gefährlich werden kann.
Auf der angesprochenen Sechserposition könnte Schuster mit dem Zurückziehen von Antreiber Kempe ein echter Coup gelungen sein, da der Aufstiegsheld das dringend benötigte spielerische Element zwischen Abwehr und Angriff verkörpert und trotzdem nichts von seiner Torgefahr verloren zu haben scheint. Abgesichert wird er vom eher destruktiven Medojevic, der den offensiveren Kempe damit gut ergänzt und zudem Zweikampfstärke einbringt.
Und im Sturm stellt sich die Frage nach der Aufstellung seit dem ersten Spieltag nicht mehr. Neuverpflichtung Dursun glänzte dort bisher neben Torgefahr auch mit Übersicht mit dem Rücken zum Tor und unermüdlicher Arbeit gegen den Ball.

Die Rollen auf den anderen Positionen sind mittlerweile ebenfalls klar verteilt, die Flügelpositionen mit Jones und Heller endlich wieder mit ordentlich Tempo besetzt. Dirk Schuster hat seine Top-Elf im Laufe der ersten Saisonspiele gefunden. Bestimmt wird das Lilienspiel dabei von der Achse, die sich vom Torwart bis zum Sturm durchzieht und die bisher fast immer abgeliefert hat. Das gibt Sicherheit, das gibt Vertrauen. Und das sieht man auf dem Platz.

Im Hinblick auf die aktuelle Entwicklung des Fußballs könnte man sagen, es fehlt an Flexibilität. Aber es führen mehrere Wege zum Erfolg. In Darmstadt ist es der der Stammelf. Und wenn sich niemand der Schlüsselspieler verletzt, gibt es keinen Grund, warum es nicht so bleiben sollte.

Euer Phil