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„Der SV 98 gehört nach Darmstadt“

Foto: Herbert Krämer

Stadion umbauen oder doch lieber woanders neu bauen? Und wie fällt eigentlich das Fazit von Lilien-Präsident Rüdiger Fritsch nach zwei Jahren Bundesliga aus? Das alles wollte VORHANG AUF-Autorin Selina Eckstein wissen und hat deshalb beim Präsidenten nachgefragt.

Selina Eckstein: Rüdiger, in Darmstadt gibt es aktuell fast kein anderes Thema als das Stadion. Im Worst Case müsste der SV 98 seine Heimspiele bei der Eintracht oder in Offenbach austragen. Was hätte das für Konsequenzen?

Rüdiger Fritsch: Wenn wir in Frankfurt oder Offenbach spielen müssten, hätte das verschiedene negative Aspekte. Die Identifikation mit unseren Fans würde leiden, Zuschauerrückgang wäre die Folge. Sponsoren würden sicherlich eine derartige Situation kritisch hinterfragen. Und natürlich müssten wir eine anständige Summe an Miete für die Fremdstadien zahlen. Deshalb gehört der SV Darmstadt 98 natürlich nach Darmstadt und sonst nirgends hin, auch was einen Um- oder Neubau betrifft. Ein Stadion muss daher nun endgültig zügig umgesetzt werden.

SE: Wie fällt Dein persönliches Fazit nach zwei Jahren Bundesliga als Lilien-Präsident aus?

RF: Für mich persönlich, aber auch für den gesamten Verein, war die erste Bundesliga emotional ein Erlebnis. Ungeachtet dessen hat diese Zeit weiter zur finanziellen Stabilität beigetragen.

SE: Was war der emotionalste Moment für dich?

RF: Oh, da gab es viele. Der Klassenerhalt in Berlin letzte Saison im Olympiastadion mit gefühlten 10.000 Fans war sicherlich sehr ergreifend.

SE: Was war für dich das aufregendste Spiel?

RF: Das positiv aufregendste Spiel war für mich in den vergangenen zwei Jahren der Derbysieg letzte Saison in Frankfurt. 1:0 durch Aytac Sulu und dann die Nummer souverän runtergespielt. Die Frankfurter um mich herum sind durchgedreht.

SE: Welche Schlüsse kann der Verein aus der aktuellen Saison ziehen?

RF: Eine Erkenntnis ist sicherlich die, dass erste Bundesliga und Darmstadt 98 keine Selbstverständlichkeit sind. Wenn nicht alles zu hundert Prozent rund läuft, alle an einem Strang ziehen, haben wir keine Chance. Wie sich die Mannschaft allerdings in der Rückrunde verabschiedet hat, zeugt von den immer noch vorhandenen Darmstädter Tugenden. Das war großer Sportsgeist und nicht selbstverständlich.

SE: Welche Lehren kann man davon mit in die zweite Liga nehmen?

RF: Die zweite Liga wird uns wieder vor Herausforderungen stellen. Wir sind nicht mehr per se der Underdog. Eine andere Rolle als in den vergangenen Jahren wird auf uns zukommen. Diese Rolle muss angenommen und positiv gelebt werden.

SE: Was erwartest du von der kommenden Saison? Was erhoffst du dir?

RF: Unsere Aufgabe kann es nur sein, zunächst nach „hinten“ abzusichern, schnell die nötigen Punkte zum Klassen­ erhalt zu holen. Nach erst drei Jahren wieder im Profifußball müssen wir Kontinuität und Stabilisierung weiter in den Vordergrund stellen.

SE: Worauf freust du dich in der kommenden Saison?

RF: Auf Vieles. Spannende Spiele, tolle Stimmung im Stadion und sehr interessante Vereine um uns rum.

SE: Ändert sich durch den Abstieg etwas für dich persönlich oder beruflich?

RF: Nein, es ändert sich nichts für mich. Ich versuche weiterhin, dass Fußballmanagement und meinen Anwaltsjob zu koordinieren. Dank toller Menschen in beiden Bereichen um mich herum, klappt das auch sehr gut.

SE: Wirst du dich zur Wiederwahl bei der Mitgliederversammlung aufstellen lassen?

RF: Die nächste Wahl ist satzungsgemäß erst im Herbst 2018. Bis dahin ist noch ein bisschen Zeit.

SE: Vielen Dank für das Interview, Rüdiger, und eine schöne Sommerpause.